Zwei Menschen freuen sich

... das Lachen eines Kindes, die Harmonie einer Umarmung, der Anblick getaner Arbeit, der liebliche Duft schönster Natur. Glück ist nicht machbar, aber es lässt sich rufen, locken, erinnern. Menschen können offen sein für das Glück, sie können aber auch die Tür verschliessen.

Das Glück ist so bunt

... und unterschiedlich wie das Leben selbst. Dennoch erforscht die Psychologie, ob es nicht so etwas wie eine allgemeine Anleitung gibt. Dabei hat sie eine wichtige Erkenntnis gemacht. Die wahre Glücksquelle liegt in einem selbst und ist nur bedingt abhängig von Reichtum, Schönheit und Erfolg. Dalai Lama, das geistliche Oberhaupt der Tibeter, sagt dazu: ?Je mehr ich von der Welt sehe, um so deutlicher wird mir, dass wir uns alle nach Glück sehnen und Leid vermeiden wollen. Was uns bei dieser grossen Suche nach Glück aufrechterhält, ist die Hoffnung." In seinem ?Buch der Menschlichkeit? beschreibt er seine Beobachtung seines Herkunftslandes Tibet im Vergleich zu den reichen westlichen Industrienationen: ?Ich dachte, für Menschen, denen die körperlichen Mühen so sehr abgenommen werden, müsste das Glück viel leichter zu erlangen sein als für jene, die unter härteren Bedingungen leben.?

Schweizer sind die Glücklichsten

Die ökonomischen Glücksforscher versuchen, das Glücksniveau mit empirischen Methoden zu erfassen. Der Ökonomie-Nobelpreisträger Daniel Kahnemann stellte bei seiner breit angelegten Studie folgende Frage: ?Alles in allem betrachtet, wie zufrieden sind Sie insgesamt mit dem Leben, das Sie gegenwärtig führen?? Die Antworten auf diese Frage, die einem Querschnitt von Personen in fast allen Ländern gestellt wurde, werden in eine Skala von 1 (extrem unzufrieden) bis 10 (extrem zufrieden) übertragen. Nach dieser ?World Database of Happiness? sind die Schweizer die glücklichsten Menschen der Welt. Ihrer eigenen Einschätzung zufolge beträgt die Lebenszufriedenheit im letzten Jahrzehnt 8.1. Fast ebenso glücklich sind die Dänen mit 8.0. Am wenigsten glücklich sind die ehemaligen Ostblockstaaten mit Werten von 3 ? 4.2. Für die durchschnittliche Zufriedenheit der Menschen eines Landes sind nach Kahnemann sechs Punkte entscheidend:

  1. Das Vertrauen der Menschen untereinander.
  2. Der Anteil von Menschen, die sich in gemeinnützigen und anderen Organisationen organisieren.
  3. Die Scheidungsrate.
  4. Die Arbeitslosenquote.
  5. Die empfundene Qualität der Regierung.
  6. Der Gesundheitsstatus

? In all diesen Kriterien können die Schweizer punkten.

Sich vom Glück finden lassen

Die Frage: ?Wo hat mich das Glück längst schon gefunden?? stellt sich beim Lesen der Texte von Dorothee Sölle, Befreiungstheologin und Poetin. Sie erzählt von ihren eigenen Glückserfahrungen, den Goldfäden des Glücks im Alltag. So sehen wir sie als junge Mutter mit ihrem kleinen Sohn durch die Stadt eilen. Das Kind will sich nicht auf das Tempo der Mutter einlassen und bleibt plötzlich stehen. Völlig überwältigt von seiner Entdeckung zeigt es auf ein blau-weisses Schild: ?Mama, guck, doch, diese wundervolle?!? Die Mutter ist ergriffen von der Intensität der Wahrnehmung des Kindes. Diesen Moment des Staunens mit allen Sinnen begreift Sölle als ein Versunken sein vor Glück, ein Zustand völliger Präsenz in der Gegenwart.

Margareta Hofmann

 

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