Nahrungsergänzungsmittel in Form von Pillen, Pülverchen und Drinks

Reisserische Werbeslogans preisen Powerdrinks, Powerriegel, Functional Food, Drinks zur Stärkung des Immunsystems und zum Senken der Cholesterinwerte, sowie Jungbrunnen aus exotischen Ländern an. Auch wenn wir der Werbung gegenüber skeptisch eingestellt sind, sieht es doch so aus, als wenn wir ohne Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr auskommen können.

Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Sie sehen Arzneimittel zum Verwechseln ähnlich und enthalten auch teilweise die gleichen Inhaltsstoffe. Rechtlich gehören sie jedoch zu den Lebensmitteln. Deshalb sollten wir auch misstrauisch sein, wenn versprochen wird, dass sie Krankheiten lindern oder verhindern.

Zu den Nahrungsergänzungsmitteln gehören u. a. Vitamine, Provitamine, Spurenelemente, Fettsäuren, Aminosäuren, Pflanzenextrakte und sonstige Substanzen wie Bierhefe, Algen und probiotische Kulturen.

Allein in Deutschland werden mit diesen Produkten jährlich Umsätze in Milliardenhöhe gemacht. Im Gegensatz zu Arzneimitteln müssen Nahrungsergänzungsmittel jedoch nicht geprüft, ihre Wirkung nachgewiesen und zugelassen werden. Es wird jedoch häufig Seriosität vorgetäuscht, besonders bei Produkten, die teuer in Apotheken verkauft werden.

Achtung. Ca. 80% der im Internet gehandelten Nahrungsergänzungsmittel entsprechen nicht den in Deutschland geltenden lebensmittelrechtlichen Bestimmungen!

Enthalten unsere Nahrungsmittel nicht mehr ausreichend Vitamine?

Wissenschaftliche Überprüfungen zeigen, dass unsere Nahrung heute sogar mehr Vitamine enthält als früher. Die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Mengen für die tägliche Zufuhr werden mit Ausnahme der Vitamine D, Folsäure und eventuell Vitamin E zum Teil sogar überschritten. Bei ansonsten gesunden Menschen werden in Deutschland keine Vitaminmangelkrankheiten mehr festgestellt.

Welche Personengruppen sollten besonders auf ihre Nährstoffe achten?

Es gibt Lebensphasen und äussere Umstände, in denen der Körper mehr Nährstoffe braucht. Da der Bedarf jedoch individuell sehr unterschiedlich sein kann, sollte anhand eines Blutbildes durch einen Arzt oder eine Ernährungsfachkraft der Bedarf festgelegt werden.

Schwangere und Stillende benötigen eine höhere Nährstoffdichte, die jedoch mit abwechslungsreicher Ernährung erreicht werden kann. Ausnahmen sind Eisen, Jod und Folsäure, die häufig durch Nahrungsergänzungsmittel zugeführt werden müssen. Bei Mehrlingsschwangerschaften und kurz aufeinander folgenden Schwangerschaften müssen eventuell auch die Vitaminreserven durch gezielten Einsatz von Präparaten wieder aufgebaut werden.

Kinder und Jugendliche haben in der Regel nur Probleme mit der Nährstoffversorgung, wenn sie zu wenig und/oder zu einseitig essen.

Leistungssportler können ihren erhöhten Energieverbrauch zum Teil nicht abdecken, wenn sie energiearme Diäten wählen, die gleichzeitig nährstoffarm sind. Nahrungsergänzungen erhöhen ihre Leistungsfähigkeit jedoch nicht. Sie sollten besser auf eine ausgewogene Kost achten und genügend trinken.

Ältere oder hochbetagte Senioren haben in der Regel erst Nährstoffdefizite, wenn sie zu wenig oder einseitig essen, krank werden oder Medikamente einnehmen. Besonders Vitamin B12 wird dann nur schlecht vom Körper aufgenommen.

Bei schweren chronischen Erkrankungen und chronischem Alkoholmissbrauch muss die Nahrungsergänzung grundsätzlich vom Arzt festgelegt werden.

Wer von der üblichen Kost abweicht, muss seine Nahrungsmittel sehr sorgfältig zusammenstellen, damit es nicht zu einer Unterversorgung oder Mangel kommt. Das betrifft z. B. Personen die Schlankheitskuren durchführen und Veganer (Vegetarier, die vollständig auf tierisches Eiweiss verzichten). Besonders problematisch ist die vegane Ernährung von Kleinkindern.

Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln

Studien in den USA und Europa haben herausgefunden, dass die Vitamine A, C und E nur in ihrer natürlichen Konzentration in Obst und Gemüse vor Krebs, Herz- und Kreislauferkrankungen schützen. Die Gesamtheit aller Inhaltsstoffe der Pflanzen ist entscheidend für die Wirkung. Die Einnahme von Einzelsubstanzen in Tablettenform ? besonders wenn man sie auch noch untereinander mischt ? schützt jedoch nicht vor Krankheiten. Im Gegenteil, einige Resultate wiesen sogar auf gefährliche Effekte hin. Die Wirkstoffe der Nahrungsergänzungsmittel können Herzerkrankungen, Krebs-, Leber- und Nierenleiden fördern, besonders wenn die Dosierungen zu hoch angesetzt werden.

Also gilt weiterhin die Empfehlung fünf Mal am Tag Obst und Gemüse zu essen. Wer die Vielfalt der Lebensmittel nutzt, abwechslungsreich und vollwertig isst, kann seinen Nährstoffbedarf mit herkömmlichen Lebensmitteln decken und darüber hinaus ernährungsbedingte Krankheiten vermeiden. Nahrungsergänzungsmittel sind daher normalerweise überflüssig.

Beitrag von Gert-Christian Südel auf Basis eines Berichts auf: www.was-wir-essen.de

 

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