
?Die Investition hat sich gelohnt. Ich bereue keine Minute und ich möchte allen Mut machen, in dieser Situation durchzuhalten.? Das Leben als alleinerziehender Elternteil ist durch Herausforderungen geprägt, die Menschen in derselben Situation am besten verstehen können.
Einsamkeit und Selbsthilfegruppen
Ein Vater hat während 20 Jahren seine zwei Söhne alleine aufgezogen. Seine Frau hatte die Familie damals verlassen. ?Ich habe akzeptiert und investiert. Wenn man sich als Opfer sieht, hat man schon verloren.? Zwischen Vollzeitstelle, Kochherd und Schulaufgaben hatte eine neue Partnerschaft keinen Platz. Auch die Vereinstätigkeit hatte er aufgegeben. Die wertvolle Zeit am Abend mit seinen Söhnen wollte er nicht mit Lerndruck vermasseln. ?Ich habe die Beziehung, nicht die Schule in den Vordergrund gestellt. Sonst wäre es eskaliert.? Er beschreibt die dunklen Momente, wenn die Kinder im Bett waren und die plötzliche Ruhe kippte in Einsamkeit und Leere. Heute sind die Söhne erwachsen, gut ausgebildet und selbständig. ?Die Investition hat sich gelohnt. Ich bereue keine Minute und ich möchte allen Mut machen, in dieser Situation durchzuhalten.? Das Leben als alleinerziehender Elternteil ist durch Herausforderungen geprägt, die Menschen in derselben Situation am besten verstehen können. Um Zugang zu Gruppentreffen von anderen Alleinerziehenden zu finden, eignet sich die Vereinigung zur Koordination von Selbsthilfegruppen in der Schweiz, zu finden unter www.kosch.ch. Pro Kanton aufgeteilt ist unter dem Stichwort ?Alleinerziehend? die Kontakt- od. Selbsthilfegruppe zu finden.
Freunde sind wichtiger als Ämter
Die richtigen Anlaufstellen zu finden ist manchmal schwierig. Ist erst einmal der Gerichtsgang zur Trennung oder Scheidung durchgestanden und das Besuchsrecht oder gemeinsame Sorgerecht für die Kinder und die Alimentenzahlungen festgelegt, zeigen sich bereits die nächsten Herausforderungen. Auf der Suche nach Hilfe waren Alleinerziehende unterwegs bei der Aargauer Frauenberatungsstelle, bei der Polizei, beim Gemeindesozialamt, bei der Rechtsberatung, bei der Erziehungsberatung, bei der dargebotenen Hand, bei der Spitex. Dagegen sind gute Freunde oder unterstützende Verwandte unentbehrlich wertvolle Ressourcen. Gute Freunde rangieren auf der Wunschliste an oberster Stelle ? eine Freundin zum Reden und Lachen - für einen guten Rat ? für gemeinsame Aktivitäten ? als Hilfe bei Krankheit.
Die Aufspaltung eines Familiensystems wird in der wissenschaftlichen Stressforschung als kritisches Lebensereignis dargestellt, zu vergleichen mit einem Erdbeben. Die ausgelöste Krisensituation verlangt nach Unterstützung für Stabilisierung und Neuorientierung. Bis eine neue Wohnung, ein Kinderbetreuungsplatz, ein Teilzeitjob für Existenzsicherung, eine psychische Neuorientierung gefunden ist, vergeht meist ein Jahr oder mehr. Frauen und Männer berichten, dass der Beruf in der ersten Krisenphase als Stütze wahrgenommen wurde: ?Das Arbeitsteam war für mich in dieser schwierigen Phase wie eine Ersatzfamilie. Ich wusste, ich bin doch normal und ich funktioniere doch noch richtig.?
Der Traum von der Familie
Schlussendlich belegen der ?Traum von der harmonischen Familie? und von der ?Treue des Partners? in Umfragen immer die obersten Ränge. Eine 30jährige alleinerziehende Zürcherin berichtet, dass sie viel zu lange in einer konfliktuösen Beziehung ausgeharrt habe: ?Ich wollte meinen Traum von der Familie nicht aufgeben und habe an den Affären meines Mannes vorbeigeschaut.? Wer sich den ?Traum von der Patchwork-Familie? erfüllt, ist besonders gefordert, je nach Alter der Kinder, die Bedürfnisse des Einzelnen wahrzunehmen und darauf einzugehen. Als Empfehlung gilt, einen Familienabend pro Woche durchzuführen. So erhält jedes Familienmitglied eine Plattform, um sein Befinden, seine Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen. Die Organisation der Woche mit Familienkalender ist ein Muss ? Spiele und Gelegenheiten zum Lachen sind willkommen?.!!!
© Margareta Hofmann, Einzel- Paar- und Fam.Therapeutin in eigener Praxis
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