Familie Galvagno

Carole Erny-Galvagno (39), Ergotherapeutin, David Galvagno-Erny (37), Bauingenieur,
Nora (3 ½) und Yaro (1).

Die Familie lebt in Sachseln, Carole und David teilen sich die Arbeit mit den Kindern. Jedes Elternteil ist in der Woche jeden zweiten Tag ganz für die Kinder da.

Interview

4Family: Ihr habt beide euer Pensum reduziert, um Zeit für die Kinder zu haben.
Carole: Ja, ich arbeite 40% und mein Mann 60%. Es ist immer jemand zuhause, und wir sind ganz begeistert davon. David hatte den Wunsch, einen Teil bei der Kindererziehung zu übernehmen. Dadurch dass wir jeweils nur jeden zweiten Tag arbeiten, haben wir täglich Abwechslung. Arbeit und Familie sind verschiedene Welten. Es ist ein wunderbarer Ausgleich, der Perspektivenwechsel ist sehr bereichernd und tut uns allen Vieren gut. Familie zu haben ist etwas vom Schönsten was es gibt.

4Family: Ist es nur schön?
Carole: Ich habe schon als sehr junges Mädchen den Wunsch gehegt, einmal Kinder zu haben. Es ist ein Riesengeschenk, die Entwicklung der Kinder so hautnah miterleben zu dürfen. Aber wir sind auch sehr herausgefordert. Das hätten wir nie gedacht. Der Sprung von einem zu zwei Kindern war für uns sehr gross. Energetisch sind wir oft an der Grenze. Häufig bekommen wir wenig Schlaf. Es ist enorm, wie schnell man vergisst. Bei unserer Tochter erinnere ich mich nicht mehr an die strengen Nächte.
 
4Family: Wie erholst du dich?
Carole: Richtige Freizeit bedeutet für mich, keine Verpflichtungen zu haben. Wir brauchen Entlastung von Aussen durch Babysitter und Grossmütter. Wir haben so genannte Ego-Abende. Jeweils einen Abend in der Woche hat einer von uns einen Abend für sich, der andere kümmert sich dann um Kinder und Haushalt. Diese Abende sind Gold wert, und wir spüren es sehr, wenn er einmal ausfallen muss. Dann haben wir wöchentlich auch noch einen Beziehungsabend. Damit haben wir schon begonnen, bevor die Kinder kamen.

4Family: Was unternehmt ihr am Beziehungsabend?
Carole: Je nach Energie. Wenn wir viel Kraft haben, öffnen wir unsere Schatzkiste mit Impulskarten. Darauf geht es um Beziehungsthemen, über die wir uns austauschen. Wenn wir müde sind, sehen wir uns eher ein DVD an (wir haben keinen Fernsehanschluss) und halten vielleicht nur Händchen. An einigen Abenden lesen wir einander auch etwas vor oder schauen uns Dias an von unseren früheren Reisen. Gerne würden wir auch wieder mehr zu zweit raus gehen, z. B. für einen Spaziergang. Wir sind am Aufbauen der externen Betreuung (neue Babysitter), so dass wir mehr ausser Haus kommen und z. B. auch einmal ins Kino gehen können.

4Family: Was macht ihr gezielt als Familie zusammen?
Carole: Unser Familien-Highlight ist es, im Wald Essen zu kochen. Die Kinder helfen dann beim Holz sammeln und Feuer machen. Wir haben diesen Winter schon 4 Mal draussen gekocht und gegessen. Wir spielen dann noch Verstecken mit den Kindern oder Laufen etwas. Wir sind gern in der Natur. Im Sommer gehen wir auch gern zum Baden an den See.
Der Sonntag ist auch grundsätzlich ein Familientag bei uns.

4Family: Könnt ihr euch vorstellen, noch mehr Kinder zu haben?
Carole: Früher wollte ich mehr Kinder. Jetzt ist es mir wichtiger, jedem der beiden gerecht zu werden. Ich bin vom Typ her so, dass ich mich intensiv mit jedem Einzelnen auseinandersetze. Auch bei der Arbeit gefällt es mir so gut, dass ich vor allem Einzeltherapie mache und mich ganz auf das Kind einstellen kann. Ich wäre fasziniert davon, zehn Kinder zu haben und zu sehen, welche Eigenarten bei ihnen auftauchen ? gleiche Eltern, gleiche Umgebung, und doch frappante Unterschiede im Charakter.
Aber jetzt reichen mir erst einmal die zwei Kinder, und ich bemühe mich, jedem gerecht zu werden. Aber wenn noch eines reinschneit, würden wir es nehmen.

4Family: Was ist das Spezielle an euren zwei Kindern?
Carole: Es ist bereichernd, dass es ein Junge und ein Mädchen ist. Bei ihrer Entwicklung ist es spannend zu beobachten, was geschlechtsspezifisch ist und was durch den Charakter geprägt wird. Lustig ist, dass Nora Rosarot liebt. Ich hatte mir früher geschworen, meine Tochter nie Rosarot zu kleiden, weil ich es nie mochte. Und jetzt kaufe ich meiner Tochter Dinge in Rosarot, weil sie die Farbe so liebt.
Die Kinder haben beide einen sehr eigenen Charakter. Yaro ist viel aktiver als seine Schwester. Er hat Witz und bringt uns oft zum Lachen. So klein wie er ist, weiss er bereits ganz genau was er tun muss, um uns zum Lachen zu bringen. Das finde ich faszinierend.

4Family: Welche Gedanken beschäftigen dich in Bezug auf die Zukunft?
Carole: Klimawandel, Finanzkrisen, Energiekrisen. Mein Mann und ich haben eine gute, sorglose Zeit erlebt. Womit werden unsere Kinder sich einmal auseinandersetzen müssen? Auf der anderen Seite haben unsere Vorfahren trotz der Kriege Kinder in die Welt gesetzt. Man darf sich nicht verrückt machen, aber ich mache mir schon Gedanken. Und ich bereite meine Kinder auf schwierige Zeiten vor, indem ich ihnen meinen Optimismus vorlebe und mein Gottvertrauen. Die Basis bilden die alltäglichen kleinen Sachen. Wenn ein Kind z. B. Fieber hat und ich ihm Mut machen und sage, dass es auch wieder vorbei geht.

4Family: Was ist dir bei der Kindererziehung besonders wichtig?
Carole: Es  liegt mir sehr am Herzen, auf die Persönlichkeit der Kinder einzugehen, ihre Eigenart zu respektieren und ihnen doch die nötigen ?Leitplanken? mitzugeben. 

Für mich ist es die schönste und gleichzeitig die grösste Herausforderung, Kinder zu haben. Ich kann fast nicht beschreiben, wie wertvoll es ist. Einerseits ist die Arbeit sehr anspruchsvoll:

  • Ich bin pädagogisch immer wieder sehr gefordert.
  • Ich möchte den Bedürfnissen beider Kinder gerecht werden.
  • Man ist permanent dran, Tag und Nacht, Zeit für Erholung und eigene Bedürfnisse ist rar.
  • Ich muss Leiden aushalten, wenn das Kind Schmerzen hat.

Andererseits möchte ich die Zeit mit meinen Kindern nicht missen. Sie beglücken mich jeden Tag mit ihrem Lachen,ihrer Liebe, ihrer genialen Beobachtungsagabe, ihren Ideen, ihrer wunderbaren Entwicklung. Ausserdem ist es sehr bereichernd, was man als Eltern alles miterleben darf: Kinderfasnacht, Kindergarten, Bilderbücher, Erlebnisse in der Natur, Austausch mit anderen Eltern, es gibt so viele spannende Aspekte. Im Familienalltag bin ich Krankenschwester, Ernährungsberaterin, Pädagogin, Schwimmlehrerin? Es gibt eine riesige Fülle an Fähigkeiten, die ich entwickeln kann, so viele Möglichkeiten, sie auszuleben. In welchem Beruf hat man schon so viele verschiedene Aspekte?

Interview mit Carole von Gert-Christian Südel

 

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