
Denise (41), Tierärztin und Teamtrainerin (Arbeit mit Therapiehund), Thomas (42) im Finanzbereich tätig, Sohn Daniel (11), Tochter Caroline (10), die Hunde Taranis (6), Pyrenäen-Berghund (ausgebildeter Therapiehund) und Waimea (1), Coton de Tulear und die beiden Birmakatzen Kelea (6) und Orlando (3).
Interview
4Family: Wie bist du auf die Idee gekommen, mit einem Therapiehund zu arbeiten?
Denise: Als mein Sohn zur Welt kam, wollte ich nicht mehr Vollzeit arbeiten, sondern Zeit für mein Kind haben. Deshalb gab ich meine Arbeit am Tierspital Zürich auf und kümmerte mich ganz um meine Kinder, bis sie das ?Kindski?-Alter erreicht hatten. Später absolvierte ich verschiedene Therapiehund-Ausbildungen. Seitdem arbeite ich stundenweise als Teamtrainerin. Es verknüpfte am Besten meine Interessen Menschen, Tiere und Psychologie. Ausserdem wollte ich von meinem Glück, das ich in der Familie verspürte, etwas weitergeben.
4Family: Arbeitet ihr mit alten Menschen?
Denise: Seit 4 Jahren arbeiten wir jede Woche eine Stunde lang mit mehrfach Behinderten jungen Erwachsenen und seit 3 Jahren alle 14 Tage eine Stunde mit Demenzkranken im Altersheim. Der Hund steht bei der Arbeit völlig im Mittelpunkt. Es entwickeln sich Beziehungen zwischen Mensch und Tier, es entsteht Vertrauen und Offenheit.
4Family: Was macht ihr genau bei der Arbeit?
Denise: Im Behindertenheim haben alle Bewohner Interesse am Hund. Sie reagieren sehr stark und offen auf ihn, und alle gehen sehr sanft mit ihm um. Bei Behinderten arbeitet Taranis auch im Liegen. Er kuschelt sich z. B. an die Patientin, die auf einer Bodenmatte liegt, mit dem Rücken in ganzer Länge an. Behinderte können mit Tieren sehr gut kommunizieren, weil sie keine Erwartungshaltung haben.
Tiere können viel schenken. Körperkontakt ist so wichtig! Alte Menschen können im Kontakt mit dem Hund Liebe schenken. Sie können es nicht mit mir machen, aber bei einem Hund öffnen sie sich.
4Family: Woher weisst du in jedem Fall, was du mit dem Hund machen musst?
Denise: Ich hatte keine Erfahrung mit alten Leuten, aber Taranis wusste, was er zu tun hatte. Und bei Spastikern zuckt er nicht einmal zusammen, wenn sie plötzlich zucken oder aufschreien. Es war Teil seines Trainings als Therapiehund, das zu lernen. Es ist auch richtig Arbeit für ihn. Mehr als die 1 bis 2 Stunden pro Woche möchte ich ihm nicht zumuten.
4Family: Was hältst du davon, dass in Altersheimen vermehrt Katzen gehalten werden?
Denise: Beide profitieren davon; sowohl die Bewohner als auch die Katzen. Ich habe vor mehreren Jahren auch einen Dokumentarfilm über ein Heim gesehen, das die unterschiedlichsten Tiere für die Bewohner angeschafft hat. Es war berührend zu sehen, wie sie mit einander umgegangen sind und wie lebendig und liebevoll die Atmosphäre war, die in diesem Heim herrschte.
4Family: Gibt es nie Konflikte mit dem Pflegepersonal oder Angehörigen?
Denise: Nein. Das Pflegepersonal hat zwar zum Teil Angst vor Hunden, aber ich weiss es ja und gehe ihnen mit Taranis deshalb aus dem Weg. Die Angehörigen reagieren positiv. Eine Frau hat sich nach dem Tod ihrer Mutter noch einmal bei mir bedankt und gesagt, dass sie unsere Arbeit sehr geschätzt haben.
4Family: Was sagt dein Mann zu all den Tieren im Haus?
Denise: Er ist mit einem Hund aufgewachsen und ich auch. Bei mir war es ein Pyrenäen-Berghund wie Taranis. Tiere waren immer Teil unseres Lebens; das gilt auch für die Kinder. Als unser alter Hund gestorben ist, wollten sie unbedingt wieder einen neuen haben.
4Family: Pflegen sie die Tiere auch?
Denise: In den USA, wo ich geboren bin, müssen Kinder im Allgemeinen die Pflicht übernehmen, für ein Tier zu sorgen. In der Schweiz ist es anders, da übernehmen die Eltern die Verantwortung für das Tier und beziehen die Kinder bei den Aufgaben mit ein. Das finde ich viel besser.
4Family: Welche Rolle spielt dein Mann bei der Kindererziehung?
Denise: Mein Mann reist beruflich sehr viel. Er verbringt die Hälfte seiner Arbeitszeit im Ausland, sieht jedoch zu, dass er die Wochenenden mit uns verbringen kann. Wenn er zuhause ist, beschäftigt er sich viel mit den Kindern. Sie machen auch Projekte zusammen, wie Eisenbahnanlage bauen. Oder er geht mit ihnen Ski fahren, während ich mit den Hunden beschäftigt bin.
Erziehungsfragen diskutieren wir gemeinsam. Ich bin froh, dass wir die Möglichkeit haben, dass ich zuhause bleiben kann. Kinder haben ein Elternteil verdient.
4Family: Warum lebt ihr nicht in den USA?
Denise: Wir haben überlegt, wo wir die Kinder aufwachsen lassen wollen. Da stand für uns fest, es ist die Schweiz. Hier haben die Kinder mehr Freiheiten. Ich bin auch froh, dass in der Schweiz die Geschäfte am Sonntag geschlossen sind, so ist es ein Familientag.
4Family: Habt ihr als Ehepaar Zeit für einander?
Denise: Wir haben im Moment nicht sehr viel Zeit für einander. Eine starke Basis unserer Ehe ist das gute Vertrauensverhältnis. Und ich habe gute Schwiegereltern, die unsere Kinder sehr verwöhnen. Sie nehmen die Kinder ab und zu am Wochenende, damit wir als Paar auch einmal etwas mit einander unternehmen können. Häufig kommt es nicht vor. Aber die Kinder sind ja nur eine kurze Zeit so klein. Da verbringen wir unsere Freizeit lieber gemeinsam als Familie.
4Family: Was möchtest du anderen Familien mitteilen?
Denise: Tiere können eine grosse Bereicherung für die Familie sein, wenn die ganze Familie bereit ist, Zeit für Tiere zu investieren. Kinder lernen im Umgang mit Tieren Vertrauen zu fassen, offen zu sein, zu kommunizieren, und sie entwickeln Sozialverhalten. Aber sie lernen es auch auf anderen Wegen, es muss nicht unbedingt mit Tieren sein.
Interview mit Denise von Gert-Christian Südel
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