
Hitsch und Käthi Bolt berichten über die Nacht, als Hitsch im Alter von 56 Jahren einen Hirnschlag erlitt und sich ausserhalb seines Körpers befand. Dieses Ereignis riss ihn mitten aus dem Berufsleben. Wie das Ehepaar mit den Folgen umgeht, kannst du im Interview lesen.
4Family: Wie kam es zu dieser Nahtod-Erfahrung?
Hitsch: Es war morgens um 2.00 Uhr. Wie so oft in meinem Alter, musste ich nachts auf die Toilette. Ohne etwas zu ahnen stand ich auf. Als ich unten am Bett stand, ergriff mich ein Drehschwindel, was bewirkte, dass ich ins nebenan stehende Büchergestell fiel. Einiges fiel mit mir zu Boden, was Lärm verursachte und meine liebe Käthi aufweckte. Ich kroch mühsam ins Bett zurück, musste jedoch bald darauf mit ihrer Hilfe aufs WC. Nun war meine Liebste wach an meiner Seite.
Auf dem WC verspürte ich einen Schlag im Hinterkopf, welcher ein spezielles Übelsein verursachte. Ich sagte: ?Käthi, ich muss abliegen!? Auf dem Boden liegend sagte ich: ?Ich muss sterben.?
Meine Käthi erfasste den Ernst der Situation und weckte unseren jüngsten Sohn Hans, welcher die Sanität und den Schwiegersohn Markus Weidmann herbeirief. In Kürze wurde ich optimal medizinisch versorgt und erhielt von meinem Schwiegersohn Markus einen Krankensegen, welcher das Gefühl hatte, einen Toten zu segnen.
4Family: Du sagst, ab diesem Moment hast du dich ausserhalb deines Körpers befunden.
Hitsch: Ja, als erstes besuchten mich meine Eltern und wir hatten ein kurzes Gespräch. Dann nahm ich den dunklen Tunnel wahr, am Ende erstrahlte ein ganz helles Licht. Ich befand mich am Eingang dieser Röhre und weigerte mich, hineinzugehen. Währenddessen fand ein Gespräch mit?ich denke Jesus Christus?statt, ich sah ihn aber nicht. Er stellte mir 3 Fragen. Während er mir die Fragen stellte, lief gleichzeitig der Film meines Lebens ab. Wie genau diese Bilder waren, erstaunte und erschreckte mich zugleich. 1. Frage: ?Hast du deine Frau glücklich gemacht?? 2. Frage: ?Gib mir Bericht über die Beziehung zu jedem einzelnen deiner Kinder?. 3. Frage: ?Wie hast du im Priestertum gearbeitet?? Ich sah, wo ich uneinsichtig, eigenwillig oder zu léger war. Dann kam die Qualifikation: ?gut, aber du kannst es besser?? dann bekam ich Aufträge, dies zu verändern. Erneut sah ich den Tunnel, aber ich spürte die Liebe meiner Käthi und die Kraft des Priestertums. Ich wollte nicht gehen, ich wollte bleiben. Unter dem Einfluss der Liebe meiner Käthi, dem Priestertumssegen von Markus und der Liebe Jesu Christi durfte ich bleiben. Ich spürte am rechten Oberarm einen Fingerdruck ? ich denke von Jesus Christus. Damit wurde es mir möglich, wieder in meinen Körper zurückzukehren. Im Körper empfand ich Leere und wartete ab. Stunden später - im unterirdischen Gang des Unispitals empfand ich Schmerzen im Kopf. Erst nach einigen Tagen im Spital realisierte ich, was geschehen war, und kam erstmals zu mir selber. Meine Frau unterhielt sich gerade mit einer Krankenschwester darüber, wer mich waschen sollte. Ich mischte mich ein mit dem Hinweis: ?Das kann ich schon selber tun.? Die Krankenschwester wandte sich mir zu und bat mich, mit dem linken Bein aus dem Bett zu steigen ? doch dieses reagierte nicht. Darauf erhielt ich den Auftrag, mit dem linken Arm zu stützen - auch dies war nicht möglich. Ich meinte: ?Was ist denn hier los?? Die Krankenschwester erklärte mir, dass ich einen Hirnschlag erlitten hätte und links gelähmt sei. Daraufhin lag ich weinend im Bett.
4Family: Käthi, wie hast du diese Nacht erlebt?
Käthi: Ich wusste, ich muss sofort handeln und gab meinem Mann einen Segen. Ich wollte vorwärts schauen, es war schlimm genug, dass ich meinen Vater früh verloren hatte. Ich wollte Hitsch dabehalten unter Einsatz meiner ganzen Liebe und meines Glaubens. Die Sanitäter kamen und stellten fest, dass das Herz noch schlägt und gaben Sauerstoff. Wir fuhren mit Blaulicht ins Unispital. Dort musste ich wohl eine Stunde warten, konnte nicht bei Hitsch sein. Dann endlich wurde ich geholt. Er hatte nach mir gerufen und sich gewehrt, in die Röntgenröhre zu gehen, weil er unbewusst meinte, man wolle ihn in den Sarg sperren (wie er mir später sagte). Ich hatte gespürt, dass mein Mann meine Nähe gebraucht hätte, das hätte ihm Sicherheit gegeben. Ich liess die ganze Zeit über in meinem Kopf und Denken nicht zu, dass er stirbt. Ich hielt ihn also mit meiner ganzen Kraft fest.
Hitsch: Meine Kopfschmerzen waren derart, dass kein Medikament half. Also wurde ich auf eine Überwachungsstation gebracht als Vorbereitung auf eine Operation. (Ein Teil der Schädeldecke sollte entfernt werden, um Platz für das angeschwollene Hirn zu erwirken).
Meine liebe Käthi besprach sich mit meinem Sohn Hitsch aus Klosters, welcher mich bis anhin noch nicht besuchen konnte. Er kam sofort und entschied, jetzt können wir nur noch mit dem Glauben und der Kraft der Mitglieder helfen. Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage im Grossraum Zürich und der Zentralschweiz wurden informiert und gebeten, zu fasten und für Heilung zu beten.
Von Stunde zu Stunde ging es mir besser und am Morgen war das Wunder vollbracht. Ich musste nicht operiert werden und konnte auf die Station zurück verlegt werden. Dankbarkeit und Liebe verbindet mich mit allen, die durch Glauben geholfen haben.
4Family: Dieses Ereignis war vor anderthalb Jahren. Dein Mann konnte nicht mehr ins Erwerbsleben zurückkehren. Der Körper und das Denken sind wiederhergestellt, aber es fehlt die körperliche Kraft und er braucht viel Schlaf. Nun ist er von einem Tag auf den anderen plötzlich zu Hause. Wie erlebst du die Gegenwart?
Käthi: Gerade diesen Montag gab es eine schwierige Situation. Wir waren mit Freunden zum Wandern in Tirol. Hitsch konnte am Morgen nicht aufstehen, weil ihm zu übel war. Da kämpfte er mit negativen Gefühlen, und das Schicksal erschien hart. Mein Unterstützungsversuch: ?Seien wir froh, es könnte schlimmer sein? ? half gar nicht. Dann bin auch ich hilflos und frage mich, welche Unterstützung ihm helfen würde? Ich weiss, dass es ihm gut tut, wenn ich bei ihm bin. Da ist plötzlich viel Nähe zwischen uns. Das bedurfte einer Gewöhnungsphase. Doch lassen wir einander Freiheit und jedes trifft selbständig seine Entscheidungen. Weil ich vor seinem Hirnschlag viel allein war, hatte ich begonnen Schweizerörgeli zu spielen ? für meine Seele. Auch hatte ich mit Englischunterricht begonnen. Das machen wir jetzt zusammen ? und geniessen es. Ich schaue es als ein Vorrecht an, dass wir unsere Zeit jetzt zusammen gestalten können. Das Gute überwiegt.
Hitsch: Es ist schön zu wissen, dass wir in Gottes Händen sind.
Interview mit dem Ehepaar Bolt von Margareta Hofmann
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