Kleine Katze wird von Hand aufgezogen

Tiere gehören zu unserer Gesellschaft, deshalb sollten sie auch ernst genommen werden.

Die Art und Weise wie wir mit ihnen umgehen, prägt auch unseren Umgang mit unseren Mitmenschen. Deshalb müssen bei Kindern die Weichen rechtzeitig gestellt werden, indem wir ihnen Werte wie Achtung, Respekt und Mitgefühl vermitteln.

Eltern tragen doppelte Verantwortung

Nicht nur für sich, ihre Kinder und die Familie, sondern auch für ihre Umwelt. Und nicht nur für die eigenen Handlungen, sondern bis zum mündigen Alter auch für die ihrer Kinder. Die gesellschaftlichen Werte werden den Kindern weitergegeben, im Interesse der Gesellschaft, aber auch im Interesse der einzelnen Kinder, die sich auf diese Weise besser integrieren und in ein in jeder Hinsicht erfolgreiches Leben starten können. Ein wichtiger Punkt in dieser Wertevermittlung ist die Beziehung zum Tier, die sich kulturell unterschiedlich ausprägt.

Unsere schweizerische, christliche Kultur

ist zur Erkenntnis gelangt, dass Tiere um ihrer selbst willen zu schützen sind. Verfassungsmässig wird dem Tier bzw. der Kreatur sogar eine eigene Würde zugestanden. Reaktionen aus der Bevölkerung auf öffentlich gewordene Tiermisshandlungen zeigen, welchen Stellenwert das Tier in der Gesellschaft besitzt.

Es ist aber nicht nur die feste Verankerung in der Gesellschaft, sondern auch die Logik, die es uns gebietet, mit unseren Mitlebewesen sorgsam umzugehen. Mensch, Tier und Natur bilden seit je her eine untrennbare Schicksalsgemeinschaft. Seit dem Sündenfall befinden sich Mensch und Tier in einer misslichen Lage, und genauso wie der Mensch sehnt sich alle Kreatur nach der "Freiheit der Kinder Gottes", wie es in Römer 8, 18-25 heisst. Darüber hinaus wissen wir instinktiv, dass es nicht in Ordnung ist, andere Lebewesen zu quälen oder zu töten. Leider sind Quälerei und Tötung von Tieren in unserer Gesellschaft in Form anerkannter Tiernutzungen wie dem Fleischkonsum oder dem Tierversuch dennoch verankert, man hat so genannte "Rechtfertigungsgründe" dafür gefunden. Das schlechte Gewissen aber bleibt.

Ganz klar: Heimtiere sollten nur in eine Familie aufgenommen werden, wenn die entsprechende Zeit, Geld und der Wille da ist, für sie zu sorgen und ihnen ein weitgehend artgerechtes Leben zu ermöglichen. Sind diese Voraussetzungen vorhanden, sind Kinder, die mit Tieren (und dem nötigen Respekt) aufwachsen, erwiesenermassen

  • Reifer und sensibilisierter für ihr Umfeld
  • Sensibilisierter insbesondere im Umgang mit Schwächeren
  • Reifer in der Beziehung, dass sie Verantwortung übernehmen können
  • Kinder, die Umgang mit Tieren haben, gehören auch gesundheitlich zur robusteren Gruppe
  • Sie gehen natürlicher mit fremden Tieren um, was das Unfallrisiko (z. B. Hundebisse) erheblich senkt
  • Und sie sind in der Regel selbstsicherer im Auftreten, weil Tiere Sicherheit geben
  • Die gewonnene Selbstsicherheit lässt sie seltener Opfer von Gewalttaten werden
  • und sich auch im gesellschaftlichen Wettbewerb durchsetzen.

 

Insgesamt hat die Tierhaltung neben der Freude am Tier also vielerlei positive Nebeneffekte ? unter der Bedingung, dass die Kinder Respekt vor dem Tier und seinen Bedürfnissen gelernt haben.

Zu einer verantwortungsbewussten Tierhaltung gehört übrigens unverzichtbar ein solides Wissen auch der Eltern über die Bedürfnisse des einzelnen Tieres. Insbesondere aus Unwissenheit, manchmal aus falscher Tierliebe werden unzählige ausgelieferte Geschöpfchen in Schweizer Haushaltungen unter miserablen Bedingungen gehalten. Die artgerechte Haltung eines Tieres ist in vielerlei Hinsicht grundlegend: Zum einen sollte sie selbstverständlich sein, handelt es sich bei einem Tier doch nicht um einen Gegenstand, sondern um ein Mitgeschöpf, das mit eigener Lebensberechtigung und mit ausgeprägter Empfindungsfähigkeit ausgestattet ist. Im Übrigen ist es pädagogisch nicht wertvoll, einem Kind einen blossen "Machtanspruch" zu vermitteln ? und genau das ist es, wenn ein Tier unter Missachtung seiner Bedürfnisse gehalten wird, allein deswegen, weil man "ein Tier haben will", als Kuscheltier oder zur Unterhaltung.

So ist denn auch die Wahl des Tieres zu überdenken.

  1. Welches Tier passt am besten zur Familie?
    Ein Tier ist immer ein Lebewesen, das einen eigenen Charakter und einen eigenen Willen hat.
    Dementsprechend müssen verschiedene Kriterien bei der Auswahl eines Tieres berücksichtigt werden.
  2. "Welches Tier gefällt mir?"
    ist dabei sicher wichtig, denn nur ein Tier, mit dem ich mich anfreunden kann und insbesondere auch will, ist auch langfristig willkommen.
  3. "Welchem Tier kann ich gerecht werden?"
    ist eine nicht minder wichtige Frage, das neue Familienmitglied soll sich ja wohl fühlen.

Tiere halten, mit ihnen leben und umgehen ist sicher eine positive Erfahrung für jeden Menschen, der dafür offen ist. Tiere gehören zu unserer Gesellschaft, sie sind nicht wegzudenken. Gerade deshalb sollten sie auch ernst genommen und manche einseitig diktierte Beziehung zu ihnen kritisch überprüft werden.

Vanessa Gerritsen Hebeisen
Tierschutzbund Innerschweiz TBI