
Im gut gefüllten Kirchengebäude in Zürich sprachen Dr. Harry Merl und seine Frau Christel am 22. November 2008 über das Thema: ?Das Alter ? eine weitere Reifung?. Aus diesen Worten ist schon heraus zu hören, dass das Alter nicht plötzlich zuschlägt, sondern dass es sich um einen Prozess handelt, der bereits in der Kindheit einsetzt.
Ein Prozess, der bereits in der Kindheit einsetzt
Mit viel Humor und Lebensweisheit vermittelte das Paar, was die wichtigste Vorbereitung auf das Alter ist: sich das Ziel zu setzen, glücklich zu sein. Eine Pflanze erträgt es zu wenig Wasser und Dünger zu erhalten und verletzt zu werden, weil sie das Ziel hat, Frucht hervorzubringen. So ist es auch mit uns Menschen. Wenn wir uns das Ziel setzen, glücklich zu sein, können uns die Lebensstürme weniger anhaben. Wir haben die Fähigkeit zur Erwartung von liebevollen Beziehungen (romantisch, sexuell, vertrauensvoll tragfähig).
Gott hat uns mit empfänglichen Regionen im Hirn ausgestattet, damit der Plan des Glücklichseins umgesetzt werden kann. Dopamin, Serotonin, Noradrenalin, Endorphine und Oxytocin sorgen dafür, dass wir z. B. Vertrauen fassen, motiviert und leistungsbereit sind oder eine innere Ruhe finden, dass wir Schmerzen weniger verspüren und glücklich sind.
Es funktioniert schon auf die Erwartung hin, dass das was kommt besser ist, als erwartet, z. B. ein Lächeln, Freundlichkeit, (unerwartetes) Lob, Angebot von Hilfe, etc.
Was ist der Traum vom gelungenen Selbst? Das Bestreben jedes Menschen von Geburt an bis zu seinem Ende in den eigenen Augen und den Augen der anderen in allen Feldern, in denen er involviert ist, jemand zu sein und etwas zu können und für seine Autonomie respektiert zu werden.
= Selbstwert in den eigenen Augen und Würde in den Augen der andern.
Nach Harry Merls Modell, dem ?Traum vom gelungenen Lebenssinn in jedem Lebensalter?, ist es wichtig, positive Bilder zu schaffen. Im Ich-Bereich betrifft es die spirituelle Verankerung, Geschlechtsidentität, Erscheinung und kulturelle Identität. Im Zusammenleben mit Anderen die Beziehung zur eigenen Ursprungsfamilie, die freundschaftliche Alltagspartnerschaft, die sexuelle Beziehung, die Eltern-Kindschaft und Grosseltern-Enkelschaft, ausserdem das Tätigsein, die Freundschaft, die Tier- und Pflanzenhalterschaft und ökologische Nische.
Der Mensch ist so, wie die in der Seele verankerte Zielvorstellung ? somit das Bild der grundsätzlich möglichen Lebensqualität! Pflanze eine Idee in einen Menschen und sein Gehirn wird beginnen, damit zu arbeiten! Das ist die Grundlage der Kreativität.
Wie muss dieses Bild nun aussehen?
Harry Merl stellt die provokative Frage; ?Was ist ein richtiger Mann?? Seine Frau Christel macht deutlich, dass jeder für sich der richtige Mann werden muss. Dabei darf er sich nicht nach Klischees und Modetrends richten, sondern nur an seinen individuellen Anlagen orientieren. Es ist wissenschaftlich erwiesen: ?Wenn ich glücklich bin und mich dann mit anderen vergleiche, verlässt das Glück mich.?
Mit zunehmendem Alter wächst die Widerstandsfähigkeit des Menschen. Im Alter müssen wir Herausforderungen annehmen und zusätzliche suchen. Nach einer Studie von François Höpflinger (siehe Link oben rechts) ist unser Wohlbefinden nicht von den Gegebenheiten abhängig, sondern davon, wie wir sie interpretieren. ?Ich bestimme, was für mich Wert hat.? Ein junger Mann findet es z. B. wichtig, eine Reihe modischer Anzüge in seinem Schrank hängen zu haben. Ein älterer Mann braucht nicht so viel Luxus, um glücklich zu sein. Ihm genügt eine bequeme Jacke, in der er sich wohlfühlt.
Was ist im Alter wichtig?
Hier eine Definition von Julia Onken.
- Geachtet sein als Mensch
- Dem Alter begegnen als einem Freund (ist er einer?)
- Die Seele altert nicht (der Traum vom gelungenen Selbst)
- Wichtig ist der Sinn des Lebens (woher komme ich, warum bin ich hier, wohin gehe ich und warum)
- Leben ist auch im Alter immer noch Entwicklung
- Möglichkeiten suchen, die einen weiterbringen
- Herausforderungen annehmen
- Sexualität: einander wohlgesonnen sein, Zärtlichkeit, Paradiese zulassen
- Seele beflügeln, um für das weitere Leben bereit zu sein
Harry Merl spricht noch darüber, wie wichtig die Bewältigung der bisherigen Lebensgeschichte ist. Es macht keinen Sinn, an der Vergangenheit zu kleben. Ich muss mir die Frage stellen: ?Halte ich an der Fehlentscheidung fest, oder versuche ich das Gute an der Situation zu sehen?? Die Seele hat eine reinigende Funktion. Sie will Ordnung haben.
Und die wichtigste Frage, die man sich im Alter stellen soll, lautet: ?Hast du gelernt zu lieben ? dich selbst und andere??
Gert-Christian Südel
Wenn du weitere Tipps zu diesem Thema hast, wende dich bitte an:
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