Vater mit Kinderwagen

Väter werden heute immer mehr zum Thema. Schon ein Blick auf die Strasse oder ein Elternabend im Kindergarten machen deutlich, Väter sind präsenter denn je. Mit dieser Tendenz nimmt gleichzeitig auch der Druck zu, Vaterarbeit zu leisten. Konnten sich unsere Väter oder Vorväter noch als Pioniere erweisen, indem sie einen Kinderwagen schoben, wenn die Familie einen Sonntagsspaziergang unternahm, so gehört das heute zum Pflichtprogramm eines Vaters.

Väterarbeit in der Erziehung

Väter haben heutzutage den Raum zusammen mit ihrer Partnerin darüber zu sprechen, wo in der ganzen Vielfalt des Vaterseins, die es heute gibt, sie sich selbst platzieren möchten. Wie sie ihre Rolle als Vater wahrnehmen möchten. Es gibt kein gängiges Schema, das von Forschung oder Gesellschaft heute als einzig richtig angesehen wird. Dies bietet die Möglichkeit, eine eigene Definition der "Väterlichkeit" vorzunehmen.

Drei Forschungsergebnisse, die in eigene Reflexionen einbezogen werden können:

  1. Befragungen zeigen an, dass bei Paaren, in denen sich die Väter an der Arbeit mit den Kindern stärker beteiligen, mehr Kinder geboren werden (Hungerbühler, 1988). Die Frauen fühlen sich in ihrer Tätigkeit unterstützt, was in ihnen eine neue Energie und Arbeitskraft hervorruft, die neue Grenzen ermöglichen. Die moralische und gleichzeitig tatkräftige Unterstützung stärkt das Gefühl, vom Partner verstanden zu werden, da der Partner symbolisch eine Perspektivenübernahme vornimmt. Kurz: Er versetzt sich während der Hausarbeit in die Lage der Frau. Damit fällt es ihm auch leichter, seine Frau in ihren Anliegen zu verstehen und auch richtig auf sie zu reagieren.
  2. Jean le Camus, ein französischer Psychologe, fokussiert insbesondere die Rolle des Vaters in der frühkindlichen Entwicklung. Er unterscheidet dabei nicht nur, ob ein Kind mit oder ohne Vater lebt, sondern untersucht zudem die Wirkung seiner Gegenwart (siehe Le Camus, 2001). Auch vergleicht er Interaktionen zwischen Mutter und Kind sowie Vater und Kind - insbesondere zwischen Vater und kleinem Baby. Camus betont die Notwendigkeit des Vaters und die Wichtigkeit einer intensiven Beziehung schon vom Zeitpunkt der Geburt an. 
  3. Für Tochter und Sohn ist die Zuwendung des Vaters in jedem Lebensalter notwendig und wichtig. Als Kleinkind ist der Vater für den Knaben das erste Identifikationsobjekt ? für die Tochter ist er als Vertreter des Gegengeschlechts eine Beeinflussung dafür, wie künftige Männerbeziehungen der Tochter aussehen. In der Pubertät brauchen Söhne ein männliches Gegenüber, dem sie vertrauen können, sich jedoch auch dessen Widerstand spüren können (Decurtins, 2003). Töchter können aus der Beziehung zu ihrem Vater in ihrem Selbstwert als Frau wachsen (Marone, 1992).

Wenn die Informationsfülle an beweisenden Argumenten für Vaterarbeit begrenzt ist, so lässt sich doch erahnen, wie gross der Einfluss eines Vaters in seiner Familie ist. Viel Spass am Erarbeiten und Ausarbeiten der eigenen Rolle.

 

Wissenschaftliche Quellenangaben
? nicht unbedingt als Literatur-Tipp zu verstehen:

Unsichtbar, unschätzbar:
Haus- und Familienarbeit am Beispiel der Schweiz

von Ruth Hungerbühler
Basler Dissertation.
Verlag Ruegger. Grüsch 1988
(vergriffen, Ausleihe in Bibliotheken)

Väter
die Bedeutung des Vaters für die psychische Entwicklung des Kindes

von Jean LeCamus
Neuauflage 2003
Kartoniert
Aus der Reihe: "Beltz Taschenbücher"
ISBN-10: 3-407-22139-8
ISBN-13: 9783407221391
Kartoniert, 199 Seiten
Fr. 22.50

Zwischen Teddybär und Supermann
Was Eltern über Jungen wissen müssen

von Lu Decurtins

3. Auflage von 2006
244 Seiten
broschiert
ISBN 3-7152-1040-0
EAN 978-3-7152-1040-7
Fr. 26.80

Gute Väter, selbstbewusste Töchter
Die Bedeutung des Vaters für die Erziehung

von Nicky Marone
Fischer Taschenbuch 1992
Hardware - 286 Seiten
Über Amazon.de gebraucht ab 3.50 ? 

 

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