Kinder lernen zuhause viel von ihrer Mutter

Wir haben 4 Kinder im Alter von 8, 7, 3 Jahren und 9 Monaten. Wir haben eine traditionelle Rollenverteilung. Dadurch, dass mein Mann sich während unserer Ehe immer wieder weitergebildet hat, verdient er genug für uns alle. Doch gingen wir nach staatlichen Einkommensvorstellungen für eine sechsköpfige Familie, so würde es grad mal knapp reichen (Es kommt immer auch auf die Ansprüche an).

Kommentar zum Bericht vom 10. Familientag

Der Bericht auf eurer Website über den letzten Familientag hat mir imponiert. Endlich wurde diskutiert, was mir schon lange ein Anliegen war. Ich finde es gar nicht Recht, dass in unserem Staat so einseitig politisiert wird und man denkt, mit öffentlichen Betreuungsplätzen sei uns geholfen. Ich glaube wir schneiden uns da in so vielen Hinsichten ins eigene Fleisch. Ich behaupte, eine Mutter die zu Hause bleibt und sich aber wirklich der Kindererziehung widmet, spart dem Staat zukünftig viel Geld. Wir leisten so viel Prävention, wenn wir zufriedene, ausgeglichene, starke, motivierte, interessierte, innovative und glückliche Kinder zu denselben Erwachsenen machen. Andauernd lesen wir davon, wie psychische Krankheiten unsere Gesundheitskosten in die Höhe schnellen lassen. Dazu habe ich eine eigene Erfahrung, die meinen Entscheid zu Hause zu bleiben, ausgelöst hat.

Unkontrolliertsein

Als ich zwölf Jahre alt war, hatte sich meine Mutter entschlossen halbtags arbeiten zu gehen, nachdem sie vorher ganztags mit der Kinderbetreuung beschäftigt war. Was dann geschah konnte ich erst viel später alles miteinander in Zusammenhang stellen. Ich begann das "Unkontrolliertsein" auszunutzen. Hausaufgaben wurden selten gemacht, an die Stelle des Lehrbuches trat der Fernseher, meine schulischen Leistungen begannen rapide abzusinken. Probleme konnte ich nicht dann besprechen, wenn sie aktuell waren. Ich begann buchstäblich alles in mich reinzufressen, die Probleme einerseits, als auch alles Essbare, das ich finden oder mir kaufen konnte, um mich zu trösten. Zudem begann ich mich mehr und mehr von meiner mir bis dahin alles bedeutenden Mutter zurückzuziehen. Bald hatte ich eine klassische Essstörung.

Prävention

Mir ist bewusst, dass das wahrscheinlich eher eine heftige Reaktion einer Jugendlichen war. Trotzdem wurde mir klar wie wichtig Kontrolle in Massen und Präsenz einer Vertrauensperson für Heranwachsende ist. Für mich waren Drogen oder Alkohol nie ein Thema, da bei uns nie dergleichen konsumiert wurde, aber vielleicht hätte ein anderer hier zur Flasche gegriffen. Leisten wir vielleicht auch Drogenprävention, wenn wir unseren Jungen Geborgenheit und einen sicheren, ständig anlaufbaren Hafen bieten? Auch Vandalismus und Abrutsche in die Kriminalität können wir vielleicht stärker verunmöglichen, weil wir einerseits ganz einfach mehr Vertrauen zeigen, andererseits aber auch mehr Kontrolle über den Verbleib und den Medienkonsum unserer Jugendlichen haben können.

Mutter als Lehrerin der Kinder

Zudem widersetze ich mich der Aussage, dass es eine Schande sei, gut ausgebildete Frauen zu Hause versauern und das Wissen verkommen zu lassen. Es gibt doch kein besseres Anwendungsgebiet als die eigenen Kinder. Ich habe auch einen Hochschulabschluss, war fast zwei Jahre in den USA tätig und gebe mein Wissen und meine Erfahrungen an meine Kinder weiter. Die älteren drei sprechen alle sehr gut Englisch. Der älteste Sohn geht in die zweite Klasse und hat dieses Jahr mit Lesen auf Englisch begonnen. Ich hatte zwar nie italienisch, aber basierend auf Latein und häufigen Ferien in Italien, haben die Kinder und ich beschlossen uns mit der italienischen Sprache auseinanderzusetzen. Die älteren zwei schwimmen und fahren Ski, beides schon seit zwei Jahren, obwohl sie nie in einem Schwimmkurs oder einer Skischule waren. Wir haben uns einfach füreinander Zeit genommen.

Grduldsfaden

Natürlich ist nicht alles immer nur Sonnenschein, ich komme ganz klar auch an meine Grenzen. Ich habe da meine eigene zuverlässige starke Hand, die mir wieder hoch hilft. Aber auch arbeitende Frauen geraten mit ihren Kindern an Grenzen, da der Geduldsfaden auf der Arbeit schon ziemlich gedehnt worden war. Dies konnte ich als Tagesmutter schon beobachten.

finanzielles Ungleichgewicht

Da kommen wir zu einem weiteren Anliegen. Seit zwei Jahren haben wir ein Tageskind. Der Junge fühlt sich wohl und ist in die Familie integriert. Er hat ganz klar Bindungen sowohl zu unseren Kindern als auch zu uns hergestellt. Unserem Kanton ist dies Fr. 6.00 pro Stunde wert, während er bereit ist Millionen in Krippen zu stecken, wo Bezugspersonen zu Kindern dauernd wechseln.

Image der Hausfrauen

Warum nicht das Image der Hausfrauen aufbessern, damit diejenigen, welche zu Hause bleiben wollen, auch den Mut finden, das zu tun und sich nicht dauernd rechtfertigen müssen, wenn das letzte Kind in den Kindergarten kommt? Schmälert nicht immer unsere Leistung mit abschätzigen Bemerkungen und finanzieller "Unwürdigung" oder sogar Bestrafung. Erkennt den Wert einer Tagesmutter, macht den Beruf attraktiver, spart dadurch Krippen und andere Betreuungsplätze. Letzthin habe ich erfahren, dass es dem Staat wert ist, für einen Pflegplatz bei einer Familie für dieses Kind Fr. 3000.00 im Monat zu bezahlen. Bezüglich Kinderbetreuung und finanzielle Entgeltung gibt es in unserer Politik wohl noch einige Verbesserungsmöglichkeiten.

Dies sind ein paar Gedanken, die ich schon lange mal irgendwo deponieren wollte. Danke für eure Aufmerksamkeit

Olivia Müller

 

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