
Oft ist das Thema Essen für Eltern sowie Kinder ein leidiges Thema. Aus dem vermeintlichen Genuss wird ein Ess-Stress. 20% der Eltern halten ihre Kinder sogar für ?schlechte Esser?. Die Antwort der Wissenschaftler, wie viele Eltern sich diesbezüglich irren mögen, mag überraschen: alle! Gesunde Kinder wissen intuitiv, wie viel sie essen müssen. In den frühen Lebenswochen eines Kindes trauen die Eltern ihrem Kind noch zu, dass es weiss, wie viel es braucht. Wie sollte dieses Wissen denn einfach verloren gehen?
Warum sind Spielregeln für das Essen nötig?
Den Erklärungsansatz, den die Wissenschaft dafür gefunden hat, ist sehr einfach: Die Eltern trauen ihrem Kind nicht mehr zu, dass es weiss, wie viel es für sich braucht. Sie übernehmen diese Verantwortung und entscheiden selber, wie viel Essen gut für das Kind ist.
Aus diesem Grund gibt es Spielregeln zum Thema Essen. Es sind dies Regeln, die sich auf den Stand der Wissenschaft abstützen. Die amerikanische Ernährungs-Expertin und Therapeutin Ellyn Satter hat diese Spielregeln für das Essen sinngemäss in ihrem Buch ?How to get your kid to eat but not too much? formuliert. Seit 1999 sind im offiziellen Ernährungsratgeber der amerikanischen Kinderärzte diese Regeln bereits auf der ersten Seite zu finden.
Die Spielregeln für das richtige Essen (Kast & Morgenroth, 2005, S. 19-20)
Ihr als Eltern entscheidet:
- Was biete ich meinem Kind an?
- Wann biete ich es ihm an?
- Wie biete ich es ihm an?
Euer Kind entscheidet:
- Ob ich davon wohl etwas essen will?
- Wie viel will ich davon essen?
Eure Elternrolle beim Thema Essen ist klar gegeben.
Was:
Ihr sucht aus: Was gibt es heute? Dabei nutzt ihr eure Kenntnisse über gute und gesunde Ernähung.
Ihr bereitet das Essen zu.
Wann:
Ihr legt fest: Wie oft und zu welchen Zeiten biete ich das ausgewählte Essen an?
Ihr stellt es auf den Tisch.
Wie:
- Ihr legt fest: Welche Verhaltensregeln gelten bei den Mahlzeiten?
- Ihr setzt die Einhaltung der Verhaltensregeln durch.
- Wenn euer Kind noch nicht allein essen kann, bietet ihr ihm Ihre Hilfe an. So viel wie nötig, so wenig wie möglich.
- Ihr sorgt für eine angenehme Atmosphäre.
- Ihr seid ein gutes Vorbild und esst selbst mit Genuss.
- Damit ist die Arbeit der Eltern erledigt. Alles, was ihr mehr oder auch weniger tut, ist mogeln. Denn nach all dieser Arbeit ist das Kind an der Reihe:
Die Rolle des Kindes ist ebenfalls klar:
- Das Kind kommt an den Tisch
- Es sieht, was auf dem Tisch steht, und entscheidet selbst: Ob ich von diesem Angebot wohl etwas essen möchte?
- Es wählt aus: Was möchte ich von diesem Angebot essen?
- Es entscheidet selbst: Wie viel möchte ich davon essen?
- Es hört auf zu essen, wenn es genug hat.
- Es befolgt beim Essen Ihre Verhaltensregeln.
Diese Regeln sind einfach und doch ist es wichtig, dass man sich daran hält. Denn oft sind Eltern dazu geneigt, zu viel zu tun. Sie mischen sind ein, wo eigentlich die Entscheidung des Kindes gefragt ist. So ist für viele Eltern die Vorstellung schwierig, dass das Kind entscheiden soll, ob es etwas isst oder alles links liegen lässt. Eltern brauchen sich darüber nicht zu ängstigen. Studien haben gezeigt, dass Kinder sich nur über eine kurze Zeit hinweg beobachtet, einseitig ernähren mögen, doch über längere Zeit betrachtet, stellen sich Kinder einen ausgewogenen Ernährungskorb zusammen, wenn sie immer auch ein ausgewogenes Angebot erhalten. Kinder erhielten jeden Tag ein Tablett mit den verschiedensten Speisen darauf. Einige Kinder assen über ein paar Tage hinweg immer nur die Schokoladencreme und liessen die anderen Speisen ausser Acht. Nach ein paar Tagen wandten sie sich jedoch ohne Aufforderung den Apfelschnitzen und anderen gesunden Speisen zu.
Kinder verstossen immer dann gegen die Regeln, wenn ihre Eltern zu wenig tun. Überlasst ihr eurem Kind, was auf den Tisch kommt oder wann es essen will, so lasst ihr als Eltern zu, dass Kinder mogeln. Diese Unterlassung kehrt am Ende wieder zu den Eltern zurück, indem sie sich mit einem "schwierigen Kind" herumschlagen müssen.
Das Was, wann und wie ist der Teil, um den ihr euch als Eltern kümmert. Es ist nicht so leicht, wie es scheinen mag, diesen gut zu erfüllen. Das Ob und das Wie viel überlasst jedoch eurem Kind. Ich wünsche euch viel Genuss und Spass beim Essen.
