Geschmückter Baum, Stollen und Geschenke – das ist für uns Weihnachten.
Doch wie feiert man in China, Marokko oder der Slowakei? UNICUM befragte Gaststudenten an der Uni Leipzig.
Also, was geht zu Weihnachten ab in …
... Korea?
„In Korea gilt Weihnachten, genau wie auch Buddhas Geburtstag, als offizieller Feiertag, den die Menschen sehr gerne feiern. Wir verschicken Weihnachtskarten und treffen uns mit Freunden. Christen gehen in die Kirche. Überall sieht man geschmückte Fensterläden und Bäume, überall erklingen Weihnachtslieder. Traditionell essen Eltern mit ihren Kindern sahnebedeckten Kuchen, der an Schnee erinnert. Die Kinder glauben an den Weihnachtsmann. Für mich ist die Weihnachtszeit schön, denn ich kann meinen Freunden Grüße senden, an sie denken und ihnen schöne CDs, Bücher oder Süßigkeiten schenken. Mir bedeutet diese Zeit der Freundschaft und Liebe sehr viel. Aber auch bei uns wird Weihnachten leider immer mehr auf Konsum ausgerichtet. Ich möchte in diesem Jahr deshalb zum Fest Geld sparen und spenden. Die wichtigsten traditionellen Feste sind sowieso Neujahr (1. Januar) und Chuseok (15. August nach dem Mondkalender). Zu Neujahr fahren wir nach Hause, besuchen die Familie und essen Reiskuchensuppe. Dann wird in Korea jeder ein Jahr älter. Es ist schön, hier zu sein, so werde ich zu Neujahr nicht älter!“
Jeong Hwa Choi (27),studiert Religionswissenschaft
... Nigeria?
„Weihnachten ist für mich untrennbar mit Jesu’ Geburt verbunden. An diesen Tagen danken wir dafür, dass Gott auf die Erde gekommen ist. Ich stamme aus Süd-Nigeria, das christlich geprägt ist. Die Geschenke bringt Father Christmas. Mittlerweile hat auch bei uns der Weihnachtskitsch Einzug gehalten. Überall blinken nervig bunte Lichterketten und selbst Weihnachtsbäume gibt es, wenn auch fast immer aus Plastik. Wir treffen uns am 25. Dezember im Haus des ältesten Familienmitglieds. Und mit wir meine ich tatsächlich die ganze Familie: alle Onkel und Tanten, alle Cousins und Cousinen. Auf einem großen Tisch türmen sich die leckersten Gerichte. Besonders begehrt ist Schokolade, die normalerweise in Nigeria nicht leicht zu bekommen ist. Zu Weihnachten kaufen wir uns traditionell neue Kleidung, und zwar die beste, die man sich leisten kann. Ein weit verbreitetes Geschenk für Freunde und Nachbarn sind Hühner, allerdings nicht knusprig oder
gekocht sondern quicklebendig.“
Damola Babalola (24), studiert Geografie
... Bulgarien?
„Orthodoxe Bulgaren fasten 40 Tage vor Weihnachten. Am 24. Dezember treffen sich die Familien im Haus des ältesten männlichen Verwandten. Auf der Festtafel steht eine ungerade Anzahl an vegetarischen Gerichten. Es gibt ein großes Brot, genannt Pita. Darin ist eine Münze eingebacken, die dem Finder Geld im nächsten Jahr verspricht. Da meine Familie nicht sehr religiös ist, halten wir uns nicht an alle „Weihnachtsregeln“. Noch vor 15 Jahren hat das Fest zumindest öffentlich in Bulgarien keine große Rolle gespielt. Zwar gibt es heute auch in meiner Familie Geschenke und wir treffen uns bei meinen Großeltern, für mich persönlich bedeutet Weihnachten jedoch nichts. Natürlich genieße ich es, mit einer Familie zusammen zu sein und dass es diese Zeit im Jahr gibt, zu der wir uns treffen. Darüber hinaus kann ich mit dem Fest jedoch nichts anfangen. Ich habe den Eindruck, dass das Osterfest noch immer bedeutender ist."
Irina Petrohanska (20), studiert BWL
... China?
„Eigentlich feiern wir Chinesen kein Weihnachtsfest. Aber auch bei uns wird alles immer amerikanisierter. Und daher feiern vor allem junge Leute Partys zur Weihnachtszeit. Für mich bedeutet Weihnachten daher eigentlich: Partys feiern und Freunde treffen. Dafür feiern wir in China das Frühlingsfest – das ist ein ähnlich traditionelles Fest wie Weihnachten hier in Deutschland. Die ganze Familie versammelt sich am ersten Tag im neuen Jahr unseres Mondkalenders und Gott sei Dank hat auch jeder frei. Denn egal ob man im Süden, Westen oder Norden von China lebt - man kommt zusammen, um gemeinsam zu essen, zu trinken und sich zu unterhalten. Einziges Problem, das man nach dem üppigen Festmahl hat, sind die Kilo, die man am liebsten wieder wegtrainieren möchte. Am zweiten Tag des neuen Jahres trifft man sich dann mit Freunden. Geschenke bekommen wir übrigens auch, nämlich Bargeld. Wobei vor allem die Älteren den Jüngeren etwas schenken, bei
Gleichaltrigen spart man sich das.“
Ming Cheng (23), studiert Informatik und Sinologie
... Italien?
„In der Nacht vom 24. zum 25. Dezember kommt bei uns Babbo Natale und lässt die Geschenke für die erstaunten Kinder da. Währenddessen sind um Mitternacht die vielen Kirchen Italiens oft bis auf den letzten Platz gefüllt und die Katholiken feiern ihre Messe. Nicht nur alte Leute sitzen dort und beten, sondern ganze Familien. Jung und Alt. Und natürlich gibt es auch ganz besonderes Weihnachts-Essen. Typische süße Weihnachtsboten sind Panettone aus Mailand und Pandoro aus Verona. Ich selbst bin kein großer Weihnachtsfan. Der Konsum-Aspekt schreckt mich ab. Die Läden sind schon Wochen vorher gerammelt voll und selbst Menschen mit wenig Geld stürzen sich in unnötige Ausgaben. An dem Gedanken, anderen eine Freude zu machen, ist nichts verkehrt. Aber es wäre doch effektiver, jeden Tag ein bisschen Weihnachten zu leben, statt einmal im Jahr alles wieder rausreißen zu wollen.“
Marco Toscani (25), studiert Economics & Commerce
... der Slowakei?
„Den Weihnachtsmann gibt es in der Slowakei nicht. Wir lassen diesen Mittelsmann weg und bekommen die Geschenke direkt vom Christkind. Damit ist wirklich Jesus gemeint, nicht etwa eine goldgelockte Frau wie in Teilen Deutschlands. An Heiligabend fasten wir, erst zum Abendbrot gibt es Feiertagsessen. Dann aber reichlich. Eine besondere Krautsuppe ist in der Slowakei sehr verbreitet und es gibt immer unglaublich viele Kuchen. Schon Wochen vor den Feiertagen duftet es daher bei meiner Familie nach Weihnachten. Da ist Disziplin gefragt. Schön sind auch die kleinen Bräuche, die hier noch gepflegt werden. Meine Oma zum Beispiel malt uns mit Honig ein Kreuz auf die Stirn. Das soll nämlich Glück bringen. Und wir legen etwas Geld unter die Tischdecke, um dem Geldsegen auf die Sprünge zu helfen. Zu Weihnachten ist es bei uns sehr wichtig, schöne Dinge zu teilen – selbst mit unseren Haustieren. Denn nach dem Festessen bekommen
sie einen Happen von allen Köstlichkeiten der Weihnachtstafel.
Weihnachten möchte ich deshalb immer mit Menschen zusammen sein,
die ich liebe.“
Tatiana Honcova (24), studiert Wirtschaftswissenschaften
... Marokko?
„Denken wir an Weihnachten in Marokko, dann denken wir an die Weihnachtsbäume und Lichterketten der Touristen und anderer Ausländer. Selbst im Fernsehen gibt es Weihnachtssendungen. Da wir beide jedoch Moslems sind, gibt es andere Feste, die wir feiern – darunter das Schlachtfest und das Fastenbrechen nach dem Ramadan. Bei ersterem schlachtet jede Familie einen Hammel. Und wer es sich leisten kann, schenkt ärmeren Menschen Hammelfleisch. Streitigkeiten mit Nachbarn und Bekannten müssen an diesem Tag beigelegt werden. Auch beim großen Fest nach dem Ramadan spielen Toleranz und Teilen eine zentrale Rolle. Moslems sind dann aufgerufen, neue Festtagskleider zu kaufen und Spenden für die Armen zu zahlen. Die Traditionen einzuhalten, mit unserer Familie zu beten, zu feiern und zu essen bedeutet für uns, den Engeln ein Stück näher zu sein.“
Mohammed El Khir (27); Najiba El Kharroubi (26), beide studieren Übersetzung Arabisch/ Französisch/ Deutsch
Quelle: Ricarda Gruhl, Juliane Schuldt. UNICUM, Dezember 2005









