
Dein Sohn braucht dringend neue Schuhe. Du rennst am Morgen vor der Arbeit mit ihm eilig in das nächste Schuhgeschäft. Letztes Jahr hatte er Grösse 29. Dann wird es jetzt wohl die 30 sein. Er setzt sich hin, du ziehst ihm den Schuh an, machst die Probe mit dem Daumen auf die Schuhspitze, kein Zeh zu spüren, der Schuh passt. Das meint der Sohn auch. Also wird er gekauft und muss jetzt ein Jahr halten.
Und damit hast du so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Wieso?
Tipps für das Schuhe kaufen:
- Füsse schwellen im Laufe des Tages an. Bei Erwachsenen werden sie ca. 4% grösser als am Morgen. Sie verlängern sich um einige Millimeter und werden ungefähr 1 cm breiter. Für Kinderfüsse gibt es bislang keine Vergleichsdaten. Erfahrungswerte zeigen aber, dass auch kleine Füsse Tagesschwankungen haben. Deshalb empfiehlt es sich, Schuhe in der zweiten Tageshälfte anzuprobieren.
- Die Schuhgrösse wurde in Europa noch nicht normiert. Und so kommt es, dass zwar aussen auf dem Schuh z. B. Grösse 30 steht, innen aber nur in den seltensten Fällen 20 cm zu finden sind. Und komischerweise sind die Schuhe fast immer kürzer und nur selten länger.
- Schuhe müssen immer im Stehen anprobiert werden, weil der Fuss sonst nicht ganz aufliegt.
- Bei dem Drucktest mit dem Daumen zieht ein Kind automatisch die Zehen zusammen. So wird Platz zwischen Schuhspitze und Zeh ertastet, der beim Laufen jedoch nicht mehr vorhanden ist.
- Kinderfüsse sind flexibel. Sie reagieren nicht mit Schmerz oder Druckstellen auf zu enge oder kurze Schuhe. Dadurch besteht die Gefahr, dass der Fuss mit der Zeit deformiert wird. Besonders häufig kommt es bei Kindern zur Schiefstellung des grossen Zehs (bei Kindergartenkindern bis zu 24%).
- Kinderfüsse wachsen in den ersten 3 Jahren im Schnitt 1,5 mm, danach ca. 1 mm pro Monat in die Länge. Das heisst, dass bereits nach 5 Monaten die nächste Schuhgrösse benötigt wird.
Interessant zu wissen
- Schon in einem Babyfuss sorgen 28 Knochen, 107 Bänder, 19 Muskeln sowie Gelenke und Sehnen für Halt und Mobilität.
- Lass dir mit den ersten Schuhen Zeit! Nur weil die kleinen Füsse schon herumtappsen, ist das noch lange kein Grund, Schuhe zu besorgen. Kleine Füsse entwickeln sich ohne Schuhe am Besten.
- Gehen, Laufen, Springen und Hüpfen lernen wir auch ohne Schuhe. Vergiss Lauflernschuhe.
- Wie berechne ich die Grösse des ersten Paars Schuhe? Miss die Fusslänge (z. B. 18 cm) und addiere die Hälfte der Fusslänge hinzu (18 + 9 = 27), das ergibt also die Schuhgrösse 27. Aber Achtung, das ist nur ein Richtmass. Dreiviertel der Schuhe fallen 1 bis 2 Nummern kleiner aus als angegeben.
- Beim Kauf von Kinderschuhen soll ein Spielraum von 17 mm eingerechnet werden. Wenn der Spielraum unter 12 mm liegt, sind neue Schuhe fällig.
- Über die Hälfte aller Kinder trägt zu kleine Schuhe. Teilweise sogar 3 bis 5 Nummern zu klein!
- Zum Überprüfen des bestehenden Schuhwerks, zeichne den Umriss des Fusses (im Stehen!) auf festen Karton, füge dann an der Spitze 12 mm hinzu und schneide den Karton aus. Wenn der Karton in den Schuh passt, ist alles in Ordnung.
- Miss auf jeden Fall beide Füsse ? sie können unterschiedlich gross sein ? und orientiere dich dann am grösseren Fuss.
- In Schuhgeschäften wie z. B. bei Vögele gibt es spezielle Kinderfussmessstationen. Das Modell plus12 (Abbildung unten auf dieser Seite) kann auch über das Internet bestellt werden: für Fr. 16.- und Fr. 3.- Versandspesen bei www.kinderfuesse.com.
- Gebrauchte Schuhe zu verwenden ist ökonomisch (schont ihr Budget) und ökologisch (spart Rohstoffe) sinnvoll. Schuhe können in den ersten Lebensjahren nur einige Monate getragen werden, bis sie zu klein sind. Da bietet es sich geradezu an, Schuhe beispielsweise von älteren Geschwistern zu übernehmen. Sie dürfen allerdings nicht einseitig abgelaufen sein. Aber das kann der Schuster sicher richten.
- Nicht passende Schuhe machen krank. Es hat Auswirkungen auf die Zehengelenke, die Muskulatur, das Gefässsystem und über die Körperstatik Knie, Hüfte, Rücken und das Herz-Kreislaufsystem.
Generell gilt:
Lieber günstige und passende, als teure und unpassende Schuhe.
Besser eckige als spitze Schuhe wählen, denn die Zehen brauchen Platz.
Weiches Oberleder bevorzugen und biegsame, rutschfeste Sohlen ohne Hacken.
Luftdurchlässiges Obermaterial wählen. Gummistiefel und Sportschuhe fördern bei Dauergebrauch Schweissfüsse! Hände weg auch von billigen Plastiksandalen - bei warmem Sommerwetter "schwimmen" schwitzende Kinderfüsse darin buchstäblich weg. Noch schlimmer: Der feste Halt geht verloren wie auf einem Rutschparkett. Unfallgefahr!
Gesunde Kinderfüsse brauchen keine Polster und Fussbetten. Die Fussmuskeln wollen trainiert, nicht gestützt werden.
Kinderschuhe sollten leicht sein. Schwere "Klötze" belasten unnötig Gelenke und Wirbelsäule.
Bei Schuhen mit Schnürsenkeln, Klettverschlüssen oder Schnallen können der feste Halt und die Weite des Schuhs, je nach Sockenstärke, reguliert werden. Ein Vorteil, den die so genannten Ballerinas, beliebt bei kleinen Mädchen, nicht zu bieten haben.
Goretex- bzw. Sympatex-Schuhe "funktionieren" nur mit Socken, die einen hohen Synthetik-Anteil haben. Bei Naturmaterialien ist hingegen nach wie vor der Baumwollsocken vorteilhafter, da er die Feuchtigkeit des Fusses mit aufnimmt.
Bei den Socken ist außerdem zu beachten, daß nicht nur Schuhe zu klein sein können, sondern auch die Socken passen müssen.
Teenager legen Wert auf modische Schuhe, achte als Elternteil aber darauf, dass bequeme "Alternativen" zum Wechseln bereitstehen und zu Hause barfuss (oder in rutschfesten Socken) gelaufen wird.
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Ein Messgerät für Kinderfüsse
Das Modell plus12 wurde im Rahmen des Forschungsprojekts "Kinderfüße-Kinderschuhe" entwickelt, das vom österreichischen Bundesministerium in Auftrag gegeben wurde.
In der Schweiz arbeiten die Entwickler mit Vögele Shoes zusammen.
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