Mutter misst ihre Kräfte mit Teens

Nicht nur Menschen, die im Berufsleben stehen, sondern auch viele Hausfrauen und Mütter zeigen Burn-out-Symptome. Sie klagen über wachsenden Druck, mangelnde Energie und Schlafstörungen. Der Ehemann erlebt immer wieder Zeiten, in denen seine Frau lustlos, niedergeschlagen, gereizt, depressiv und sexuell desinteressiert ist. Er sehnt sich nach den gemeinsamen Ferien. Denn dann soll alles besser werden.

Sich zu erholen muss auch gelernt sein

Wenn die Familie sich jedoch nicht rechtzeitig und gründlich auf die Ferien vorbereitet, reisen mit der Campingausrüstung auch sämtliche Burn-out-Symptome mit.
Die Folge ist ? Ferien-Stress tritt an die Stelle von Haushalts-Stress.
Das Problem wechselt nur den Ort.

Warum das? Der Organismus hatte keine Zeit sich von Arbeit auf Erholung umzustellen. Besonders schwierig wird es, wenn die Hausfrau und Mutter in letzter Minute hektisch die Ferienutensilien packt, Katze und Goldfisch bei den Nachbarn abgibt, die Kinder mit Zubehör ins Auto stopft, den schimpfenden Ehemann am Steuer mit Hilfe einer Strassenkarte von einem Stau in den nächsten dirigiert? und dann soll sie am Ferienort plötzlich von einer Sekunde zur nächsten alles loslassen, passiv sein und sich auf Befehl erholen. Das kann nicht funktionieren. Die Frau wird in der Ferienzeit noch angespannter sein als zuvor und vielleicht sogar krank werden.

Erholung muss ? wie auch der Arbeitsalltag ? organisiert werden. Gehirn und Nervensystem müssen sich nach und nach von Reizüberflutung auf Reizarmut, von Hektik auf Erholung einstimmen können.

 

Phase vor den Ferien

In dieser Zeit muss bereits der Stresslevel reduziert und der Wiedereinstieg in den Haushalt nach den Ferien vorbereitet werden. Lies den folgenden Bericht in Ruhe durch und mache auch den Rest der Familie mit den darin geäusserten Gedanken vertraut. Denn es macht natürlich keinen Sinn, dass du deine optimale Erholung vorbereitest und dein Mann alle Pläne wieder umwirft. Mach also ein Familienprojekt aus der Ferienplanung.

Aktivitäten: Treibe täglich 30 Minuten Sport, wie z. B. Schwimmen, Walken, Joggen und Velo fahren. Diese Ausdauersportarten helfen dir Stress abzubauen und dein Nervensystem zu stärken. Wenn du meinst, du hättest dafür keine Zeit, probiere es trotzdem einmal eine Woche lang aus, morgens für Sport eine halbe Stunde früher aufzustehen. Du wirst merken, dass du dadurch ruhiger und konzentrierter arbeiten kannst, und die halbe Stunde bis zum Abend wieder aufgeholt hast. Gewöhne dir auch an, kleine Besorgungen in unmittelbarer Nähe statt mit dem Auto zu Fuss zu erledigen. Oder steige (mit oder ohne die Kinder) mal eine Station eher aus dem Bus aus, geniesse die Bewegung an der frischen Luft, und nimm mit allen Sinnen wahr, was dich Schönes und Interessantes umgibt. Achte dabei besonders auf Details, wie eine kleine Blume, die sich durch Asphalt und Zementfugen hindurch ihren Weg sucht.

Organisation: Bereite anstehende Arbeiten im Haushalt für die Zeit nach den Ferien vor. Mach dir z. B. eine Prioritätenliste, was nach deiner Rückkehr erledigt werden muss. Hänge bereits eine Einkaufsliste an die Pinwand, kleine Kärtchen mit Informationen über Termine, die wahrgenommen werden müssen (Elternabend, Zahnarztbesuch?), über Anrufe, Post und Banküberweisungen, die erledigt werden müssen usw. Wenn du die neuen und angefangenen Arbeiten ganz bewusst auf einen Termin nach den Ferien festlegst, ziehst du eine Trennlinie und kannst dann in den Ferien Abstand zum Alltag gewinnen.
Bitte deinen Mann und/oder die Kinder, dir einen freundlichen Willkommensbrief zu schreiben, der hübsch dekoriert in der Küche aufgestellt auf deine Rückkehr wartet.

Planung: Kehr nicht erst 5 Minuten vor dem Elternabend oder Zahnarzttermin aus den Ferien zurück, sondern lass dir wenigstens einen Tag Zeit, dich zuhause wieder einzuleben, eh der tägliche Trubel beginnt. Du wirst in den Ferien nicht schon gedanklich von den Terminen verfolgt, wenn du weißt, dass ein ruhiger Tag auf dich wartet.

 

Phase des Übergangs

Distanziere dich zu Ferienbeginn ganz bewusst vom Haushalt. Hake ohne dir selbst Stress zu machen, eine Arbeit nach der anderen ab.

Distanz: Betrachte dann deine Prioritätenliste und verabschiede dich vom Haus. Wenn deine Familie gläubig ist, sprecht zusammen ein Gebet.

Anreise: Plane genügend Zeit für die Anreise. Wenn ihr am Flughafen schon zum dritten Mal ausgerufen werdet, während ihr noch am Gepäckschalter wartet, kostet es Nerven und verschlechtert den Erholungswert der Ferien massiv. Das gleiche gilt für zu lange Autofahrten. Plant wenigstens genügend Pausen ein ? nicht nur fürs Tanken. Und wem schadet es, wenn ihr spontan noch einen Zwischenhalt in schöner Umgebung einschaltet? Oder eine Übernachtung auf halber Strecke? Dann kommt ihr eben einen Tag später am Urlaubsziel an.

Schlaf: Behalte auch in den Ferien deine gewohnten Zeiten und Rhythmen bei. Übertriebenes Faulenzen oder stark verschobene Schlaf-/Wachrhythmen gehen auf Kosten der Erholung. Steh morgens um die gleiche Zeit auf wie zuhause, mach vielleicht ein kurzes Mittagsschläfchen (maximal eine halbe Stunde = Power Napping) und geh abends etwas früher ins Bett, damit du genügend Schlaf bekommst.

Aktivitäten: Der Erholungswert ist am grössten, wenn du ein harmonisches Mass für passive und aktive Phasen findest ? also einen Mittelweg zwischen Nichtstun und Leistungsdruck. Plane nicht im Vorfeld bereits sämtliche Ferientage minutiös durch, sondern lass genügend Raum für spontane sportliche und kulturelle Aktivitäten und für Ruhephasen. Die Urlaubsaktivitäten müssen auch nicht unbedingt völlig neu und spektakulär sein. Du kannst vielleicht auch deine gewohnten Hobbies am Ferienort fortsetzen ? ohne Druck und in schöner Umgebung.

Essen/Trinken: Trinkgelage und Fressorgien belasten nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Gesundheit und haben daher gar keinen Erholungswert. Wenn du dir hier und da in den Ferien einmal etwas Besonderes leistest, geniesse es und lass es nicht die Regel sondern wirklich etwas Besonderes sein.

 

Phase nach den Ferien

Ziel ist es, den Erholungseffekt der Ferien möglichst lange zu erhalten:

Rückkehr: Hier gilt das Gleiche wie bei der Anreise. Lass dir Zeit, geniesse die Reise. Nimm die Fahrt bzw. den Flug bewusst als Teil der Ferien wahr, entspanne dich und geniesse die schönen Eindrücke. Lass dich nicht auf Streit mit Familienmitgliedern ein. Mach ihnen deutlich, dass du dankbar für die erlebte Zeit mit ihnen bist und jetzt mit guten Gefühlen und Erinnerungen zurückkehren möchtest.

Erster Tag im Haushalt: Lies deinen Willkommensbrief. Packt als Familie in Ruhe gemeinsam das Gepäck aus und versorgt alles. Fang mit einfachen Arbeiten an, lass es langsam angehen. Muss die Waschmaschine heute schon laufen?

Erinnerung: Bewahre dir die schönen Erinnerungen und nutze sie, um von Zeit zu Zeit vom Arbeitalltag abzuschalten und etwas aufzutanken. Wenn du Fotos gemacht oder Postkarten und kleine Erinnerungsstücke gesammelt hast, lege ein (digitales) Ferientagebuch an.

Erholung: Was hast du in den Ferien über die Erholung gelernt? Dass du beim Wandern nicht ständig den hohen Berg vor dir siehst, sondern Schritt für Schritt das Ziel erreichst? Dass du nicht alles allein machen musst, weil ihr als Familie ein Team seid? Dass du auch einmal NEIN sagen kannst, freundlich aber bestimmt? Dass das Tun nicht nur Kraft kostet sondern auch Energie spenden kann, wenn man es gern und mit der richtigen Einstellung macht? Dass du ein Gespür für deine Work-Life-Balance entwickeln konntest? Nutze deine persönlichen Erkenntnisse im Alltag.
Setze in deiner Freizeit deine Feriengewohnheiten wie Sport treiben, in Ruhe essen, lesen u. a. fort. Gönne dir jeden Tag bewusst Erholungszeiten. Wer seine Erholung nur auf Ferien verschiebt, tut sich damit keinen Gefallen und verkürzt durch sein Verhalten die effektive Ferien- und Erholungszeit.

 

Daheimgebliebene

Und wie steht's um die Daheimgebliebenen, die viel lieber woanders wären? Visualisiere deine Traumferien doch einfach in deiner Fantasie. Gemäss Erkenntnissen der Hirnforschung entsteht die Welt im Kopf. Streue also ausreichend Sand in deine Schuhe ? und schon liegt die Schweiz am Meer.



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