
Ein gebundenes Buch behandeln wir mit Ehrfurcht. Eine Zeitung hingegen ist ein Wegwerfprodukt. Deshalb eignet sie sich sehr gut als spannendes und preiswertes Arbeitmaterial für Lern- und Lesespiele mit Kindern: ihr könnt gemeinsam reden, lesen, spielen, diskutieren und nachdenken. Aus Zeitungen lernen Kinder, was in keinem Buch steht.
Aktivitäten für Eltern und kleine Redaktoren
Kompetenzen
Durch die regelmässige Zeitungslektüre lernt dein Kind nicht nur besser Lesen, es wird auch Mathematik und Naturwissenschaften leichter lernen und Probleme besser lösen können. Das lesende Kind verschafft sich einen Wissensvorsprung, es kann bei vielen ?Erwachsenenthemen? mitreden, lernt kritisch zu denken und bekommt einen Blick für das Wesentliche. Und nebenbei haben Zeitungen auch noch einen Unterhaltungswert. Zeitung lesen macht Spass.
sei ein Vorbild
Wenn dein Kind sieht, dass du regelmässig Zeitung liest, wird es sich auch damit beschäftigen wollen. Auch wenn es selbst noch nicht lesen kann, könnt ihr euch gemeinsam Zeit für einander nehmen, über ein Bild oder Thema aus der Zeitung reden und nachdenken. Du wirst mehr über die Interessen deines Kindes herausfinden. Und vielleicht entdeckt ihr ja sogar auch ganz neue Vorlieben.
Raum und Zeit
Lasst es zur Gewohnheit werden, täglich etwas in der Zeitung zu lesen und einander daraus vorzulesen. Diskutiert im Alltag immer wieder über Themen aus der Zeitung, um die Kommunikationsfähigkeit des Kindes zu stärken. Halte keine langen Vorträge, sondern sprecht im Alltag lieber mehrmals kurz über eines der Themen. Wenn das Kind einmal kein Interesse zeigt, versuche es an einem anderen Tag wieder.
Schafft euch einen schönen, gemütlichen, ruhigen Platz, an dem ihr euch bei der täglichen Zeitungslektüre wohlfühlt. Lasst es zum Ritual werden, die Zeitung zusammen zu lesen.
nicht nur die Buchstaben sind interessant
Schon ganz kleine Kinder kannst du spielerisch mit Zeitungen vertraut machen, indem du sie Bilder aus der Zeitung heraussuchen lässt, die sie interessieren. Wählen sie Sport, Autos, Tiere, Menschen, Landschaften oder grafische Darstellungen? Lass sie darüber berichten, woran das Bild sie erinnert, spinnt zusammen Geschichten rund um das Bild und verknüpfe sie mit Hintergrundinformationen zum Thema. Wenn das Kind gern malt, lass es eine Bildergeschichte zu einem Thema malen.
Oder lass das Kind Gesichter und Körperteile von Personen ausschneiden und zu lustigen Personen (oder Fabeltieren) zusammensetzen.
Jeder Zeitungsbeitrag eignet sich als Gesprächsstoff; auch Comics, Kleinanzeigen, ganzseitige Werbungen, Kreuzworträtsel sind spannend und wertvoll für Kinder aller Altersgruppen.
das ABC
Wenn dein Kind schon etwas lesen kann, lass es aus den Überschriften alle Buchstaben ausschneiden, die zu seinem Namen gehören und auf ein grosses Blatt kleben. Es kann dann noch ein paar Bilder aus der Zeitung ausschneiden, auf das Blatt kleben und etwas Eigenes dazu malen.
Dein Kind kann auch ein Sammelalbum anlegen, in das es alles zu einem bestimmten Thema aus der Zeitung ausschneidet und in das Album einklebt.
selber schreiben
Macht eine Familienzeitung. Lass das Kind dafür einen eigenen Bericht schreiben, in dem die sechs ?W-Fragen? beantwortet werden: Wer, was, wann, wo, warum und wie? Lass das Kind ein Familienmitglied interviewen. Hilf ihm, bei den Vorbereitungen dazu, indem ihr euch Gedanken über Fragen macht wie: ?Was muss ich vorher über meinen Interview-Partner wissen? Welche Fragen kann ich vorbereiten? Wie reagiere ich, wenn der Interviewte sehr wortkarg ist, oder wenn er umständlich erzählt und sehr weit ausholt?? Vielleicht hat das Kind ja auch Freude daran, noch ein paar Fotos für den Bericht zu schiessen.
Emotionen
Sprich mit dem Kind darüber, welche Zeitungsthemen es erfreut oder verärgert. Es gibt in Zeitungen viele Themen, die Menschen schockieren und empören. Sprecht darüber, dass negative Emotionen und Reaktionen der Leser den Zeitungsmachern wichtiger sind als positive. Sie meinen, ihre Zeitung wäre dadurch interessanter und würde besser verkauft. Schock und Empörung kann Angst auslösen, aber auch Überheblichkeit. Man verurteilt andere Menschen, ohne die Hintergründe wirklich zu kennen. Warum wird bei politischen Fragen so viel mehr gemeckert als gelobt?
Versuch mit deinem Kind einmal über eine längere Zeit Zeitungsberichte zu finden, über die ihr euch freuen könnt, die positive, aufbauende Aussagen enthalten, wo die Redaktoren liebevoll und verständnisvoll berichten oder wenigstens einen Konflikt so neutral schildert, dass die Haltung beider Parteien nachvollzogen werden kann.
Konzentriert euch beim Verfassen von Leserbriefen darauf, einen guten Artikel zu loben, euch für die faire Berichterstattung zu bedanken, und fügt noch einen zusätzlichen aufbauenden Gedanken zum Thema hinzu.
bessere, mündigere Mediennutzer
Zeitungen sollten nicht allein Wissensquellen sein. Sprecht auch über Rechte und Pflichten der Journalisten und das Handwerk der Zeitungsmacher. Beschäftigt euch mit Schreibstil, Sprachbildern, Textaufbau und Inhalten. Vergleicht z. B. den Stil von Berichten, im Bereich Aussenpolitik, Sport und der Klatschspalte. Diskutiert den Wahrheitsbegriff. Selbst wenn in der Zeitung nicht direkt gelogen wird ? warum darf ich trotzdem nicht alles glauben? Wie bilde ich mir eine eigene Meinung z. B. über die Nahost-Konflikte?
Eine Fortsetzung mit weiteren Ideen zur Mediennutzung folgt demnächst.
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