Swiss Security Day 2007

Am 15. März 2007 fand in Zürich und in Luzern, anlässlich des Swiss Security Days 2007, ein kostenloser Elternabend statt.

Experten aus den Bereichen Kinderschutz, Polizei, Politik und Informationstechnologie sprachen mit Eltern über Chancen und Gefahren in der Online Welt.

Internet ? Gefahrenzone für Kids?

Die Themen

  • Chancen und Gefahren: Eine Einführung. Was ist das Internet? Wo lauern Gefahren?
  • Technische Sicherungsmassnahmen: Die fünf Regeln zum Thema Computersicherheit sowie Möglichkeiten technischer Schutzmassnahmen
  • Verhaltensregeln: Was für Regeln sollten Sie zuhause aufstellen, wie führen Sie die Diskussion mit Ihren Kindern und wo erhalten Sie Hilfestellung?
  • Podiumsdiskussion mit Experten, Fragenrunde

4Family besuchte den Elternabend in Luzern

Hier eine kurze Zusammenfassung von Aussagen der Referenten:

Einführung: Chancen und Gefahren ? Was ist das Internet?
Cornelio Kauz, Klubschule Migros Luzern

  • Verhaltensregeln und Sicherheitsmassnahmen:
    Lehrer können Sicherheitsagenten an ihre Schulen bestellen, die Kinder zu Sicherheitsagenten ausbilden. Sie erhalten zum Schluss einen Agentenausweis.
  • Zielgruppe der Internetkurse sind Kinder, Schulen, Eltern und potentielle Täter.
    Es gibt kein klares Täterprofil. Pädokriminalität gibt es in allen sozialen Schichten und Berufsgruppen.
  • Durch die Migros wurden gerade 150 Kinder ausgebildet.
    Themen ? Hier lauern Gefahren:
    • E-Mails öffnen, Programme öffnen
    • Den PC verlassen ohne Zugriff zu sperren
    • Chat (Kinder liefern leicht alle Informationen, die für einen Einbruch benötigt werden: Foto, Namen, Adresse, Ferienzeiten...)
  • Notbremse ziehen
    • sich an Vertrauensperson wenden
    • nicht allein mit Chatpartner treffen
    • Nein sagen / blockieren
  • 10 wichtige Regeln für Eltern
    Kinder sollen:
    • Interneterfahrungen mit Eltern teilen
    • Instinkten vertrauen
    • Chat-Regeln mit Eltern besprechen
    • keine persönlichen Daten preisgeben
    • Unterschied zwischen richtig und falsch erklären lassen
    • Respektvoller Umgang mit anderen
    • Eigentumsregeln kennen und einhalten
    • keine persönlichen Treffen verabreden
    • Wahrheit: bei Unsicherheit fragen
    • Online-Aktivitäten durch Eltern überwachen lassen
  • Lasst Kinder ins Internet. Ihr sollt es ihnen wegen der 2 bis 3%, die Unsinn machen, nicht verbieten. Wichtig ist der verantwortungsvolle Umgang mit diesem Medium.
  • Mach einen Test. Notiere, worüber in der Tagesschau berichtet wird. Streiche dann alles, was dich nicht interessiert. Es wird ein Bericht von höchstens 2 Minuten Länge bleiben. Das ist eine gute Übung, um zu lernen, mit der Informationsflut umzugehen.
  • Wichtig! Du kennst dein Kind und wirst merken, wenn etwas nicht stimmt. Suche dann das Gespräch mit dem Kind.
  • Wenn dein Kind im Internet belästigt wird, ruf die 117 an. Alle Kantonspolizisten wurden dafür ausgebildet.
  • Internet ist kein Ersatz für einen Freund.
  • Formuliere Regeln. Kinder wollen Regeln.
  • Führe immer wieder Gespräche mit deinem Kind.

Thomas Reitze, Microsoft Schweiz

  • Das Online-Game: Second Life
  • Die 10- bis 11jährigen chatten fast alle
  • Eltern und Lehrer haben das gleiche Interesse und den gleichen Lernbedarf

Tatort Internet. Die Probleme im Chat, aktuelle Situation:
Internet-Fahnder Michael Muther, Kriminalpolizei Luzern

  • Hinweis auf die sehr informative Website fit4chat - Sicher im Internet für Kinder
    Die Website sollte von Eltern und Kindern gemeinsam erforscht werden
  • Klicksafe.de stellt euch den Fernsehspot "Wo ist Klaus?" im Internet zur Verfügung.
    So könnt ihr den Spot jeder Zeit noch einmal anschauen.
  • Kennzahlen. Es gibt
    • 97.9 Millionen aktive Webserver
    • 4.5 Milliarden Webseiten
    • 60 Milliarden E-Mails pro Tag (davon 60% Spam)
  • Die Internet-Generation wird auch @-Generation genannt.
    Sie löst die Turnschuh-Generation ab.

Problemkreis Ausbildner und Auszubildende:
Serge Imboden, Vizedirektor BBT, Leiter Berufsbildung

  • Besonders gefährdet sind die 7- bis 17jährigen Kinder und Jugendlichen
    • Jugendliche beim Übergang von Schule zu Beruf
    • Jugendliche in der Pubertät
    • Jugendliche ohne Schulabschluss und Lehrstelle
      (Zurzeit sind 22'000 Jugendliche in der Warteschlaufe)
  • Probleme und Herausforderungen unserer Jugendlichen "Unsere Jugend liebt den Luxus und hat keinen Respekt vor der Autorität." (Sokrates, 470 v. Chr.)
    • Übergang von der Industrie- zur Informationsgesellschaft
    • sich rasch verändernder Arbeitsmarkt
      (mit 30 Jahren haben bereits 60% den Beruf gewechselt)
    • Lebenslanges Lernen
    • Ethischer Umgang mit Informationen
    • Fähigkeit, eigene Lernprozesse selbst zu steuern
    • Fähigkeit, Konflikte und Krisen in jedem Bereich lösen zu können ( z. B. Nein zu akzeptieren)
  • Herausforderung für die Bildung Zusammenarbeit mit Eltern und Institutionen wie z. B. security4kids.ch
    • Es wird von vielen Eltern erwartet, dass Bildungsinstitutionen nicht nur lehren sondern auch "mit-erziehen"
      (Frage einer Mutter beim Elternabend: "Lernen die Kinder hier dann nicht bitte und danke zu sagen?")
    • Lehren, wie man mit Informationen umgeht
    • Hilfe zur Selbsthilfe geben (nicht alle Steine aus dem Weg räumen)
  • Die Technik schreitet so schnell voran, dass alle zusammenarbeiten müssen. Schule, Eltern, Lehrer, Ausbildungsbetriebe allein können nichts bewirken. Alle müssen zusammenarbeiten.

Verhaltensregeln für Kind und Eltern:
Cornelio Kauz, Klubschule Migros

  • Wenn das Kind Velo fahren lernt, können wir nachempfinden, dass sie Angst haben und dass sie beim Sturz Schmerzen haben. Wenn das Kind im Internet ist, können wir nicht auf unsere Erfahrungen zurückgreifen.
  • Gefahren:
    • E-Mail (Viren)
    • Surfen (Wahrheitsgehalt)
    • Downloads (Illegalität)
    • Chat (Kriminalität, Pädosexualität)
  • Chatformen
    • Internet Relay Chat (IR)
    • Webchat (z. B. Bluewin, Kids-Chat)
    • Instant Messanger wie MSN, Yahoo Messanger, Skype
  • Die Sprache im Chat ist oft so grob, wie man es nicht einmal am Stammtisch hört. Wenn man so etwas im Chat gelesen hat, mag man nicht einmal mehr seine Patentochter auf den Schoss nehmen.

Diskussion mit Experten:

Serge Imboden, Bundesamt für Berufsbildung und Technologie
Michael Muther, Kantonspolizei Luzern
Peter Fierz, Credit Suisse
Michael Achermann, Klubschule Migros Luzern
Thomas Reitze, Microsoft Schweiz

FRAGE: Ist online-banking sicher?
ANTWORT Peter Fierz: Die Verbindung ist sicher. Das Risiko liegt bei den Benutzern (Phishing, Firewall, Virenscanner usw.)

FRAGE: Wie gross ist das Problem von Handy & Gewalt?
ANTWORT Michael Muther: 2006 wurden im Kanton Luzern 699 Handys gesichert. Beim jetzigen Stand der Technik ist ein Handy bereits ein Mini-PC. Jedes 4. bis 5. Handy hat pornogrfische Darstellungen und Gewaltszenen gespeichert.

FRAGE: Werden angehende Ausbilder an Berufsschulen auf pädophile Neigungen überprüft?
ANTWORT Serge Imboden: Das kann vorgängig nicht erkannt werden.
Zusatz-Bemerkung von Michael Muther: Die Neigung ist nicht strafbar ? nur die Ausübung. Pädosexualität gibt es in allen Berufen und Bevölkerungsschichten. Lehrberufe sind nicht besonders gefährdet.

FRAGE: Gibt es Microsoft-Produkte, die sich mit Kinder- und Jugendschutz beschäftigen?
ANTWORT Thomas Reitze: Im Betriebssystem Vista gibt es eine Eltern-Kontrollfunktion. Wichtiger als die Technik ist jedoch, dass Verhalten der Kinder und Jugendlich zu sensibilisieren und viel mit ihnen zu reden.

FRAGE: Worauf achten Sie, wenn Kinder bei Kursen der Migos Klubschule surfen?
ANTWORT Michael Achermann: Es gibt feste Regeln bei Kinderkursen: keine nackte Haut, keine Online-Games, keine illegalen Downloads. Bei Verstössen werden sie sofort mit einem Brief nachhause geschickt.

FRAGE: Können Kinder online-banking nutzen?
ANTWORT Peter Fierz: Ab 12 Jahre mit Unterschrift der Eltern und nur innerhalb des Kreditrahmens.

FRAGE: Kann man beim Spielen Popup-Windows verhindern?
ANTWORT Thomas Reitze: Durch Aktivierung des Popup-Blockers und durch alleinige Nutzung sicherer Seiten.

FRAGE: Kann man Spam verhindern?
ANTWORT Cornelio Kauz: Das ist fast nicht möglich. Es gibt allerdings intelligente Programme im Wert von Fr. 10'000 bis 20'000, die Spam sehr stark einschränken.

FRAGE: Gibt es Portale für Kinder?
ANTWORT Michael Muther: Ja, zum Beispiel Blinde Kuh, Security4kids und fit4chat. Trotzdem ist es wichtig Kinder zu lehren, kompetent mit Portalen umzugehen.

FRAGE: Ist ein PC oder Apple Macintosh stärker gefährdet ?
ANTWORT Michael Achermann: Das Internet ist Plattform übergreifend.

FRAGE: Wie reagiere ich, wenn mein Kind auf kostenpflichtige Seiten geht?
ANTWORT Cornelio Kauz: Wenn Kinder sich auf Seiten wie Genealogie.de anmelden und nicht zahlen, kommt meist sehr schnell ein agressives Schreiben in dem den Eltern vorgeworfen wird, sie hätten ihre Aufsichtspflicht verletzt. Dann folgt bald ein Schreiben von dem Anwalt Oliver Tank, mit einem roten T. Nicht zahlen!

FRAGE: Welche Sicherheits-Software können Sie empfehlen?
ANTWORT Michael Achermann: Die Software Kindersicherung ist sehr zu empfehlen. Siehe 4Family-Beitrag Kindersicherung.

FRAGE: Wie sicher ist msn?
ANTWORT Michael Muther: Chat-Programme sind nur so sicher wie die Sicherheit der Benutzer im Erkennen, wer OK ist. Im Chat kommt sehr schnell die Frage: "Hast du msn?" Kinder sollen nicht darauf eingehen.

FRAGE: Wie sicher ist internet-banking vom Intenet-Café aus?
ANTWORT Thomas Reitze: Es ist grundsätzlich wichtig, Spuren auf fremden PCs zu löschen ? den Cash, den temporären Speicher (unter Internetoptionen) zu leeren und das Browserfenster zu schliessen.

FRAGE: Wie sicher sind Funk-Router?
ANTWORT Thomas Reitze: Die Technologie ist sicherer als die Benutzer. Es ist wichtig, den Router richtig zu konfigurieren. Die Kantonspolizei fährt mit Testwagen herum und sucht Funknetze, die nicht gesichert sind. Einige Allgorhythmen sind nicht sicher, der WPA-Standard ist jedoch zurzeit sicher.

 

Bitte sende Infos über Elternkurse an:
info(at)4family.ch

Portale für Kinder:

Blinde Kuh
Security4kids
fit4chat

Siehe auch...

unter den 4Family-Links die Rubrik Sicher im Internet.