Infoabend für Eltern: Umgang mit Handy und Internet

Frau Sandra Bucher-Krummenacher, Präsidentin von Schule und Elternhaus (S&E) Obwalden, erkennt die Zeichen der Zeit. Sie ist eine der wenigen wachen Menschen, die in Bezug auf unsere Kinder Gefahren erkennt und - was noch wichtiger ist, Initiative ergreift. "5.Klässler drehten Sexfilm mit Handy". Mit diesen und ähnlichen Schlagzeilen der Boulevardpresse in grossen Lettern wird uns Angst gemacht. Während ein Grossteil der Bevölkerung mit Hilflosigkeit und Entsetzen auf solche Headlines reagiert oder empört nach Schuldigen sucht, gibt es nur wenige die handeln.

Vortrag bei Schule und Elternhaus (S & E) Obwalden

Frau Bucher hat sich bereits vor fünf Jahren mit der Medienkommision beraten und mit Hilfe der Gesundheitsprävention Obwalden einen Kurs für Eltern organisiert, mit dem Titel "Wie gehe ich mit Medien um". Damals wurde ganz allgemein über Medien gesprochen. Frau Bucher merkte im Laufe der Jahre, dass eine intensivere Beschäftigung speziell mit den elektronischen Medien immer wichtiger wird. Sie erkannte den Schulungsbedarf nicht erst auf Grund der aufreisserischen Pressemitteilungen, denn sie sitzt an der Quelle. Der Vorstand von S&E Obwalden hat selbst Kinder im Alter von 18 Monaten und dreizehn Jahren. Ausserdem gab es in Obwalden allgemeine Erziehungskurse, aus denen Elterngesprächsgruppen entstanden.

Sandra Bucher hörte sehr genau zu: "Was sind die brennenden Themen bei den Eltern?" Sie fragte nach und erkannte: Das Wissen der meisten Eltern in Bezug auf neue Medien bewegt sich auf einer Skala von "wenig" bis "gar nicht". Und sie sah bei S&E genau hin. "Welche Themen werden bereits von anderen Kantonen abgedeckt?" Frau Bucher wandte sich mit ihren Ideen an den Dachverband von S&E, der grössten Elternorganisation der Deutschschweiz, die die Zusammenarbeit von Eltern, Lehrerschaft und Schulbehörden fördert. Der Dachverband hatte Kontakt mit der Swisscom und konnte über das Jahr verteilt in der Deutschschweiz zehn Kurse anbieten zum Thema: "Wie Ihr Kind Handy und Internet sicher nutzt". Daten siehe Beitrag Kindersicherung.

Vortrag und Präsentation von der Swisscom

Am 12. März 2007 besuchte 4Family diesen Kurs in Alpnach. Die Herren Rumpf und Aebersold von der Swisscom vermittelten in einem zweistündigen Vortrag recht ordentlich, welche Gefahren im Internet und Handy lauern, und wie man ihnen begegnen kann.

  • Sie wiesen auf Gefahrenpotential im Internet hin:
    durch Gewalt und Pornografie über
    • Websites
    • Suchdienste
    • Tauschbörsen
    • Foren
  • Pädokriminalität über
    • Chat
    • Instant Messenger
  • Eltern sollten sich über die Möglichkeiten des Internet informieren, z. B. mit dem SchoolNetGuide Familie und Internet,
    oder bei bluewin auf der Seite Mehr Sicherheit für Kinder und Jugendliche.
  • Sie demonstrierten, welche Seiten aufgerufen werden, wenn man bei einer Suchmaschine das Wort "Sex" eingibt.
    Zuerst ohne SafeSearch-Filter bei google, dann mit moderater und zum Schluss mit strikter Filterung.
  • Bei einem Life-Chat konnten wir mitverfolgen, wie innerhalb von ein paar Minuten mehrere Männer versuchten, mit einem scheinbar minderjährigen Mädchen in Kontakt zu treten. Sie waren deutlich sexuelle motiviert.
  • Eine MSM-Demonstration zeigte die Möglichkeiten der superschnellen Übertragung von Foto, Animation, Audiodateien und Video. Bei MSM können nur die Personen mit mir kommunizieren, denen ich meine E-Mail-Adresse gegeben habe. Und ich kann Teilnehmer sperren, wenn ich mich belästigt fühle.
  • Wir wurden informiert, dass bei Dateitauschbörsen wie Kazaa Gefahren lauern. Denn dort kann ALLES heruntergeladen werden, auch Viren und Würmer und harte Pornos, die sich hinter einem harmlosen Titel verstecken.
  • Die Dozenten empfahlen Kinderschutzprogramme wie z. B. Kindersicherung, das auch von 4Family vorgestellt wurde.
  • weiter rieten sie:
    • das Kind im Internet zu begleiten, gemeinsam mit ihm zu surfen, sich vom Kind erklären lassen, welche Anwendungen es nutzt, und dann über die Anwendungen zu diskutieren.
    • unkontrolliertes Surfen zu vermeiden, indem feste tägliche oder wöchentliche Surfzeiten vereinbart werden. Der PC sollte in einem Raum stehen, der für die Eltern zugänglich ist, bzw. wo sie jederzeit Sicht auf den Monitor haben.
    • die Favoriten ab und zu zu kontrollieren, um zu sehen welche Seiten das Kind nutzt.
    • Kinder zu schulen, dass sie das Chat richtig nutzen. Zuerst sollte ein Chatroom gesucht werden, der für Kinder geeignet ist. Das Kind soll einen neutralen Nickname benutzen, an dem man weder Geschlecht noch Alter erkennt.
    • zusammen mit dem Kind die 3 Videos auf www.stopp-kinderpornografie.ch anzuschauen.
    • bevor das Kind sich in einer virtuellen Welt tummelt, zusammen den Auftritt diskutieren, Nickname und Profile gemeinsam festzulegen.
    • Verdächtige Vorkommnisse im Internet über ein Meldeformular bei der www.kobik.ch/ zu melden.
  • Über die sichere Nutzung des Handys wurde unter anderem geraten,
    • die Nummern 0906, 6x und das Internet zu sperren,
    • sich vom Kind die Funktionen des Handys zeigen zu lassen und
    • das neue Handy gemeinsam zu kaufen.

Wie können Eltern Einfluss nehmen?

  • Begleitung
    • Bei Handy und Internet auf Gefahrenquellen hinweisen.
    • Gemeinsam über Nutzung von Handy und Internet sprechen.
  • Interesse zeigen
    • Anwendungen zeigen lassen (Filmen, Fotografieren, Surfen...)
    • "Ausbildung" der Eltern durch die Kinder
  • Vertrauen ist gut
    • Aufklärung, Begleitung und gelegentliche Kontrolle noch besser!

Tipp von Frau Sandra Bucher von S&E Obwalden

Wenn in Eltern- und Erziehungszeitschriften wie z. B. Fritz & Fränzi oder Schweizer Familie Artikel zu einem bestimmten Thema veröffentlicht werden, werden diese Themen von Kursveranstaltern gern aufgegriffen.

Also schreibt gute Artikel über die sichere Nutzung von Internet und Handy. Denn Eltern haben in diesem Bereich gegenüber ihren Kindern einen enormen Nachholbedarf!

 

Sende weitere Medientipps bitte an:
info(at)4family.ch

Siehe auch...

... unter den 4Family-Links die Rubrik Sicher im Internet.