
"Simsen" und die Jagd nach Klingeltönen sind für Jugendliche ?völlig normal?. Ihren Eltern geben sie dabei gerne einmal das Gefühl zu dumm für die bunte, neue Technikwelt zu sein. SCHAU HIN! hilft Eltern beim Umgang mit dem Thema Handy, damit sie nicht nur mitreden sondern auch verhindern können, dass das angesagte Handy zur Kostenfalle wird. Mit den folgenden Anregungen und Fragestellungen, sowie einem umfangreichen Informationspaket können sie einen ganz persönlichen SCHAU HIN! Elternabend veranstalten: Zusammen mit
Lehrern, aber auch privat mit Freunden.
Dazugehören
Irgendwann kommt für Jugendliche der Zeitpunkt, wo es ohne Handy scheinbar einfach nicht mehr geht. Die Gründe sind vielfältig: Hat der Rest der Schulklasse ein Mobiltelefon, wollen sie nicht außen vorstehen und selbst auch ein möglichst neues und schickes Gerät vorweisen können. Mehr jedoch, als das Prestige stärkt vor allem die Erreichbarkeit durch das Handy das Gefühl, dazu zu gehören. Der Versand von Kurzmitteilungen, Bildchen und Klingeltönen ist ebenso wichtiger Bestandteil der Jugendkommunikation wie das kurzfristige telefonische Verabreden. "Wir sind gerade beim Kino, sollen wir dir eine Karte mitkaufen?" Wer kein Handy hat, ist auch nicht dabei. Und auch viele Eltern sind beruhigter, wenn ihr Kind mit Handy unterwegs ist: Ständige Erreichbarkeit vermittelt ein Sicherheitsgefühl.
Kostenfalle Handy
Doch es sprechen auch triftige Gründe gegen den Handygebrauch durch Kinder und Jugendliche. Zum einen sind das die mitunter schwer zu kontrollierenden Kosten. Laut Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen sind rund zwölf Prozent der 13- bis 24-Jährigen durchschnittlich mit 1.800 Euro verschuldet. Dass Kurzmitteilungen (SMS) mit durchschnittlich 19 Cent billiger sind als Telefonate, veranlasst viele Kinder und Jugendliche dazu, hunderte Textnachrichten im Monat zu versenden. Der scheinbar günstige Preis verleitet zu regem Gebrauch. Beliebt ist zudem der Versand von Bildern und Klingeltönen per MMS (Multimedia Messaging Standard): Ebenso einfach zu handhaben wie SMS kostet dieser mit durchschnittlich 39 Cent fast das doppelte.
Als weitere Kostenfalle erweisen sich Klingeltöne, die im Internet zum Herunterladen angeboten werden. Der Lieblingssong oder ein lustiges Geräusch als Klingelton kostet im Internet beim Marktführer Jamba durchschnittlich 1,99 Euro. "Etwa 200 Millionen Euro Umsatz kamen nach Branchenschätzungen 2004 als finanzielles Echo herein - Tendenz weiter zweistellig steigend", schreibt der Onlineinformationsdienst teltarif.de.
Noch kritischer zu beurteilen sind Anbieter, die in TV-Spots Klingeltöne per so genannter "Premium-SMS" anbieten. Nicht selten wird mit der Bestellung eines einzigen Tones per SMS unwissentlich ein Abonnementvertrag mit regelmäßigen Kosten eingegangen. Medienkontrolleure gehen dagegen an, denn laut Jugendmedienschutz-Staatsvertrag darf Werbung nicht direkte Kaufappelle an Kinder oder Jugendliche enthalten, "die deren Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit ausnutzen".
Strahlende Kommunikation
Ein weiterer Grund gegen die Handynutzung durch Kinder sind die Strahlungen, die der Mobilfunk verursacht. Elektrosmoggegner und Netzbetreiber streiten sich, ob Mobilfunk wirklich gesundheitsschädlich ist und haben eine ganze Reihe Gutachten und Gegengutachten bei Wissenschaftlern in Auftrag gegeben. Das Buch "Machen Handys und ihre Sender krank?" von der Pädagogin Mara Marken sei hier stellvertretend für eine ganze Reihe Sachbücher zur Problematik der Strahlenbelastung genannt. Mehr Informationen zu ihrem Buch finden Sie unter ?Elternabend-Hintergrundmaterial?, das Sie in der rechten Spalte kostenlos downloaden können.
Das Bundeswirtschaftsministerium informiert auf seiner Website über den derzeitigen Stand der Forschung. Unter "Mobilfunk und Kinder" heißt es hier unter anderem: "In Situationen, in denen genauso gut mit einem Festnetztelefon wie mit einem Handy telefoniert werden kann, sollte das Festnetz genutzt werden." Doch Vorsicht: Elektrosmogexperten wie der Hamburger Geopathologe Klaus Linka weisen darauf hin, dass von schnurlosen DECT-Festnetz-Telefonen mindestens eine ebenso gefährliche Strahlung ausgeht wie von Handys.
Mittlerweile hat in Deutschland die Zahl der Mobilfunkteilnehmer die Anzahl an Festnetzanschlüssen längst überschritten. Das Institut für Jugendforschung (IJF) vermeldete im Januar 2004, dass jedes zweite Kind zwischen 11 und 12 Jahren ein Handy besitze. Bei 13- bis 22-Jährigen liegt die Zahl der Handybesitzer nach Angaben des Instituts bei 84 Prozent. Das Handy gehört zum Alltag wie der Fernseher oder der Computer. Daher sollten Kinder und Jugendliche mit der Technik vertraut werden, damit es die notwendigen Schlüsselqualifikationen für diese Technik erlangt. Eine Altersvorgabe gibt es nicht - Pädagogen raten zum Gebrauch erst im Teenageralter. Wenn Grundschüler einen langen Schulweg haben, kann aber auch schon in diesem Alter ein Mobiltelefon sinnvoll sein.
Quelle: http://www.schau-hin.info
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