Markus-Andreas Bamert

Marion Mühlebach (37), Schauspielerin / Sängerin & Curdin (1 ½) . Die Familie lebt in Wetzikon.

Interview

4Family: Wir haben uns vor ca. fünfzehn Jahren am Lehrerinnen – und Lehrerseminar in Zürich kennen gelernt. Wie lange hast du nach dieser Ausbildung eigentlich unterrichtet?

Marion: Nach der Matura habe ich das Lehrerpatent gemacht. Da war jedoch schon der Wunsch geboren, eine Schauspielschule zu besuchen. Während ihr euch für eine Stelle als Klassenlehrperson beworben habt, bemühte ich mich um einen Platz an einer Schauspielschule.
Ich unterrichtete aber immer wieder in Teilzeitpensen.

4Family: Ab 1996 hast du dann während dreier Jahre die berühmte und sehr anspruchsvolle Theaterschule Dimitri in Verscio im Tessin besucht. Was gab den Ausschlag dafür, dass du den künstlerischen Weg gewählt hast?

Marion: Ich wollte dort eine fundierte Ausbildung geniessen. An der Steinerschule wird seit jeher viel Theater gespielt, und ich hatte einen Lehrer, welcher dies sehr begeisternd und intensiv förderte. In meiner Kindheit hatte ich lange Jahre Ballett getanzt und hatte in der vierten, fünften Klasse wirklich den Traum, eine Primaballerina zu werden…
Als sich dies nicht erfüllte, überlegte ich mir, in Richtung Musical zu gehen. Allerdings waren mir diese Welten oft zu oberflächlich. Und an der Theaterschule konnte ich mein Spektrum erweitern: Theaterimprovisation, Akrobatik, Stimme, Rhythmus waren einige der Fächer an der Schule.

4Family: Nun stehst du als Gründungsmitglied der Gruppe „zapzarap“ schon einige Jahre erfolgreich auf der Bühne. Das Ensemble steht für eine Mischung aus Theater und A-cappella-Gesang. Wie läuft es damit? Was sind eure Ziele?

Marion: Wir sind eigentlich sehr zufrieden mit dem bisher Erreichten. In unserem Repertoire befinden sich vier Programme, das aktuelle heisst „Spatenstich“. Momentan spielen wir im Durchschnitt ein bis zwei Mal pro Woche. Toll ist, dass wir dieses Jahr noch an sehr guten Adressen wie dem Theater am Hechtplatz und im Kursaal Bern auftreten können. Ach ja: Einer unserer Schauspieler würde gerne einmal den Salzburger Stier gewinnen…

4Family: Was mir bei all euren Programmen auffällt: Ihr spielt und singt. Es handelt sich um witzige, anspruchsvolle Unterhaltung. Euer Stil ist weder brav noch null–acht-fünfzehn-mässig, im Gegenteil. Aber es fällt nie „unter die Gürtellinie“. Kannst du dazu etwas sagen?

Marion: Dies war und ist eine bewusste Entscheidung. Wir möchten den Leuten eine gute Zeit bieten, jedoch nicht diesen billigen Humor bedienen, der sich beispielsweise im Fernsehen breitgemacht hat. Darin sind wir uns alle einig.

4Family: Vor eineinhalb Jahren ist dann Sohn Curdin in euer Leben getreten.

Marion: Genau. Er ist ein absoluter Goldschatz und wir haben viel Freude an ihm. Als ich meine Kolleginnen und Kollegen von der Schwangerschaft unterrichtete, habe ich sie im Scherz davor gewarnt, dass dies „ansteckend“ sein könnte. Und tatsächlich: Seitdem haben alle aus unserer Gruppe Nachwuchs bekommen!

4Family: Wie organisieren dein Mann und du euch?

Marion: Wir wollten natürlich beide ein Kind. Ihm war von Anfang an klar, dass Flexibilität gefordert sein würde, da ich die Tätigkeit mit der Theatergruppe weiterführen wollte. Er ist an einem Tag pro Woche fest und mit Freude mit seinem Sohn zuhause. Und je nach Spielplan von zapzarap kann er früher nach Hause kommen. Zudem betreut meine Mutter ihren Enkel jeden Dienstag.
Das alles klappt sehr gut. Ich fungiere auch als Managerin unserer Gruppe. Da kommt es mir entgegen, dass ich viele geschäftlichen Angelegenheiten von zuhause aus erledigen kann (Werbung, Medienarbeit, administrative Dinge). Der Kleine macht auch einen ausgedehnten Mittagsschlaf.

4Family: Was hat sich für dich verändert, seit du Mutter geworden bist? Was sind für dich die schönsten Aspekte?

Marion: Ein Kind ist eine grossartige Bereicherung. Curdin gibt mir sehr viel und es ist sehr spannend und oft auch lustig, seine Entwicklung zu beobachten und zu erleben. Die Lebensfreude, die er ausstrahlt, ist ansteckend. Wir haben hier zum Glück einen grossen Garten, indem man sich verweilen kann.
Vor einigen Monaten musste ich für eine Nacht woanders schlafen und habe ihn sehr vermisst.

4Family: Inwiefern fördert ihr ihn bereits?

Marion: Natürlich ist man immer aufmerksam und redet viel mit seinem Kind. Er ist von Natur aus ein sehr aufgewecktes Kind.
Sicherlich werde ich seine Musikalität fördern. Auch Rituale sind uns wichtig, zum Beispiel das bewusste Erleben der Jahreszeiten.
Zudem habe ich die Philosophie, dass jeder Mensch seinen Weg machen wird, wenn man ihm als Eltern und erweitertes Umfeld eine gute, gesunde Grundlage mitgibt.

4Family: Wenn du an die Zukunft eures Kindes denkst, was ist dir wichtig?

Marion: Das Ziel ist, dass er ebenfalls die Steinerschule besuchen kann. Ich hoffe, dass er sich möglichst lange seine Unbeschwertheit und Fröhlichkeit bewahren kann.

Das Interview mit Marion führte F. Nebel

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