Gemobbt und ohne Freunde...
Anfrage:
Hallo, ich bin 18 Jahre alt. Seit ich 13 bin, wurde ich gemobbt. Die meisten haben aufgehört und lassen mich an der alten Schule in Ruhe. Aber es gibt da noch welche, die keine Hobbys haben und mich noch auf Partys ärgern.
Aber ich komme mit meiner Vergangenheit nicht klar. Einmal wurde es so schlimm, dass man mich als Amokläufer darstellte. Das war nach der 10. Klasse. Wir haben Anzeige erstattet, aber er wurde nie erwischt.
Seitdem habe ich auch Zwänge und Sozialphobie. Ich weiss nicht, ob es behandelbar ist und meine Gedanken sind nur negativ. Ich habe auch mal an Selbstmord gedacht, weil ich aus diesem Teufelskreis nicht mehr rauskomme. Niemand nimmt mich ernst, ausser meinen Eltern. Ich habe Befürchtungen, dass ich nie Freunde bekommen werde und immer als ein Opfer abgestempelt werde. Wobei es gar nicht so stimmt.
Ich war vor kurzem beim Psychologen, aber der verschrieb mir nur Beruhigungstabletten. Ach, ich weiss nicht mehr weiter. Ob jemals meine Putz- und Ordnungszwänge und meine Befürchtungen, dass ich alles falsch mache (und deshalb gar nichts mehr mache) weggehen? Und ich wieder alles unter Kontrolle habe? Es ist fraglich. Ob es wirklich gut behandelbar ist, davon bin ich irgendwie nicht tief überzeugt.
Antwort:
Es ist gut, dass du beginnst, von diesen schlimmen Erfahrungen zu erzählen, um Hilfe zu erhalten, denn deine Situation ist nicht ausweglos. Aber du brauchst Unterstützung.
Viele Jugendliche, die leider ähnliche Erfahrungen mit Mobbing machen, fühlen sich wie du irgendwann allein, nicht ernst genommen und zweifeln an sich selbst.
Dabei ist es ganz wichtig zu wissen, dass der Grund für das Mobbing niemals bei der Person zu suchen ist, die gemobbt wird, sondern immer bei den Tätern. Häufig wird das Mobbing als Ventil für ihre eigenen Aggressionen genutzt, oder weil sie sich besonders mächtig, stark und cool fühlen, wenn sie andere erniedrigen. Oft überspielen sie damit ihre eigene Unsicherheit oder Unzufriedenheit mit sich selbst.
Es ist toll, dass deine Eltern hinter dir stehen und dir Halt geben. Sie sind dir in dieser schwierigen Zeit sicher eine wichtige Stütze, auf die du dich verlassen kannst, und die dir Kraft gibt.
Mobbing kann oft nur professionell gelöst werden, deshalb solltest du dich unbedingt an eine psychologische Beratungsstelle wenden. Wenn du Schwierigkeiten hast, eine Beratungsstelle zu finden könntest du uns noch einmal kontaktieren und uns deinen Wohnort bekannt geben, damit wir etwas Geeignetes in deiner Nähe suchen können. Deine Angaben bleiben selbstverständlich anonym.
Manchmal kann der Wechsel der Schule hilfreich sein. So würdest du in ein neues Umfeld kommen, in dem du neu anfangen könntest und wo dir die Leute unvoreingenommen begegnen.
Für die anderen Probleme, von denen du berichtest ist es uns nicht klar, ob diese Diagnosen (Zwänge, Ängste und Phobien) bereits von einem Psychiater gestellt wurden. Wenn du unter diesen Problemen leidest, so solltest du unbedingt in der Behandlung von einem Psychiater sein, damit es dir besser geht. Dieser kann dir Medikamente verschreiben, sogenannte Psychopharmaka, die begleitend zur Gesprächstherapie eingesetzt werden. Auch bei der Suche eines entsprechenden Psychiaters können wir dir behilflich sein, wenn du uns deinen Wohnort bekannt gibst.
Warte nicht mehr lange ab, sondern versuche noch heute eine passende Beratungs- oder Therapiestelle zu finden. Wir wünschen dir für deine Zukunft alles Gute.
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