Mein dreijähriges Kind ist plötzlich so anders- es trotzt!
Frage:
Hallo Beratungsteam, ich habe eine dreijährige Tochter. Sie ist sehr lebhaft und charakterstark, aber auch äusserst aufnahmefähig. Sie wächst zweisprachig auf (deutsch und griechisch). Sie spricht beide Sprachen sehr gut und hat schon früh begonnen zu sprechen.
Von April 2009 bis Januar 2010 hat sie den Kindergarten besucht und sich dort sehr wohl gefühlt. Da ich jetzt im neunten Monat schwanger bin hat man mir empfohlen, sie für eine Zeit aus dem Kindergarten zu nehmen. Als Schutz vor Bakterien und Krankheiten.
Seitdem ist sie sehr schwierig. Sie kann sehr lieb sein. Aber fast täglich ändert aus heiterem Himmel ihr Verhalten. Sie wird total grimmig und aggressiv, schreit uns an, schlägt und man kommt überhaupt nicht mehr an sie ran. Meist steigert sich es soweit, dass sie anfängt zu weinen. Dies kann dann über eine Stunde dauern. Sie nimmt nichts auf, was man ihr versucht zu erklären, sondern bleibt immer bei dem, was sie gerade möchte. Lässt sich aber auch nicht trösten oder ablenken. Ich weiss nicht, wie ich mich verhalten soll. Soll ich es ignorieren oder darauf eingehen? Mich verletzt die Art wie sie redet., ein richtiger Befehlston. Denn so reden wir nicht mit ihr. Was kann ich tun?
Vielen, vielen Dank für die Hilfe.
Antwort:
Das was du über deine Tochter beschreibst, hört sich sehr nach einer Trotzphase an. Sie gehört zu einer gesunden Entwicklung dazu und bildet sogar einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung eines Kindes im Alter von 2-4 Jahren. In dieser Zeit lösen Kinder sich aus der symbiotischen Beziehung zu ihren Müttern und streben nach Autonomie. Kinder machen erste Erfahrungen damit, ihren Willen durchzusetzen und dies kann sich teilweise äussern in Form von Trotzreaktionen oder in Gehorsamsverweigerungen. Wichtig zu wissen ist, dass das Kind sich mit seinem Verhalten nicht gegen seine Eltern wendet, sondern seine eigenen Möglichkeiten erprobt, die Welt erobern möchte und dabei immer wieder an Grenzen stösst, die zu Frustrationen führen.
Auch wenn diese Phase für Kinder wichtig ist, so ist sie für die Eltern doch sehr anstrengend und erfordert viel Geduld. Für Eltern ist es relevant, dass sie die Führung in der Erziehung behalten. Kinder in diesem Alter brauchen Grenzen und fühlen sich unsicher, wenn sie immer ihren Kopf durchsetzen können. Ohne Grenzen von den Eltern muss das Kind die Führung übernehmen, um Sicherheit zu erleben. Es wird dann in seinem Verhalten immer bestimmender und fordernder.
Kinder lernen in dieser Phase eher über Taten als über Worte. Wenn du deine Tochter beispielsweise gerufen hast und du weisst, dass sie dich gehört hat, sie dich aber ignoriert, so bringt es nichts, sie immer wieder zu rufen. Es ist in diesem Fall besser, zu deiner Tochter zu gehen und sie liebevoll, aber bestimmt an der Hand zu nehmen und sie dort hin führen, wohin du sie gerufen hast. Dabei kannst du ihr erklären, dass sie kommen soll, wenn du sie rufst. Bleibe in solchen Situationen ruhig aber bestimmt. Dann lernt deine Tochter, dass sie dir ihren Willen nicht aufzwingen kann. Um allzu grosse Machtkämpfe zu vermeiden, kann es ratsam sein, dass du dich zunächst nur bei wichtigen Dingen auf diese Weise durchsetzt.
Tobsuchtsanfälle, bei denen deine Tochter schreit, sich auf den Boden wirft und nicht mehr ansprechbar ist, sollten eher ignoriert werden. Eventuell kannst du sie dann auf den Schoss nehmen und sie liebevoll, aber bestimmt festhalten, bis sie sich beruhigt hat. Lerne, ihr Benehmen nicht persönlich zu nehmen, auch wenn sie schimpft. Du kannst ihr in einer ruhigen Minute erklären, dass du bestimmte Wörter nicht aus ihrem Mund hören möchtest.
Da Eltern in der Trotzphase ihrer Kinder häufig Verbote aussprechen (müssen), ist es umso wichtiger, dass sie ihr Kind in ruhigen Phasen öfter in den Arm nehmen und ihm sagen, dass sie es lieb haben. Mit dieser Zusicherung kann das Kind Grenzen und Verbote besser akzeptieren und annehmen.
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