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Streit am Esstisch

Unser bald 14-jähriger Sohn ist fast nur am Gamen

Frage:

Unser Sohn wird bald 14 und macht mir grosse Sorgen. Er verzieht sich immer mehr in sein Zimmer und verbringt dort Stunden am ?Gamen? und im Internet. Ich habe keine Ahnung, was er da alles tut. Wenn ich frage grunzt er nur irgendwas. Er spiele nur und ich soll mich nicht immer so aufregen. Wir haben gar kein richtiges Familienleben mehr. Wenn ich ihn zwinge, mit uns zu essen, meckert er nur die ganze Zeit herum und streitet mit jedem. Wenn nicht, isst er in seinem Zimmer. Was soll ich nur tun?

Antwort:

Mit vierzehn Jahren hat euer Sohn, wie es ausschaut, die schwierigste Entwicklungsphase seiner Pubertät erreicht. Das ist ein sehr typisches Alter dafür, diese Phase kann aber auch früher oder später eintreten. Jetzt ist nicht nur für ihn, sondern auch für euch als Eltern eine der herausforderndsten Zeiten in eurem Zusammenleben. Da kommt es leicht zu Situationen, in denen man scheinbar nichts richtig machen kann. Oft fehlt auch die Hoffnung, dass es jemals ein gutes Ende nehmen könnte. So hatte man sich die Sache mit den Kindern nicht vorgestellt!

Das erste und wichtigste, was du tun kannst, ist die Beziehung zu stärken. Achte darauf, dass deine Botschaften an den Sohn vor allem positiv sind (Verhältnis mindestens 9 positive für jede negative Aussage. Das gilt auch für die Art, wie du ihn anschaust.). Leider neigen wir als Eltern manchmal dazu, unseren Teenagern beim erwachsen werden ?helfen? zu wollen, indem wir ihnen alles sagen, was sie besser machen könnten. Das ist etwa so sinnvoll, als wenn man einer Zimmerpflanze fortlaufend jedes Blatt abschneidet, das nicht absolut perfekt und symmetrisch ist. Offensichtlich bewirkt solch ein ?Zurechtstutzen? nichts Positives.

Dein Sohn ist in seiner jetzigen Entwicklungsphase sehr emotionell. Das ist so, weil sich der logisch und rational denkende Bereich des Hirns zurzeit im Umbau befindet. Vernunft ist für ihn ein Fremdwort ? nicht aus Böswilligkeit, sondern weil das Hirn sie vorübergehend nur beschränkt zulässt. Es ist also wichtig, dass du seine Ausbrüche nicht persönlich nimmst. Wenn er dich anschreit oder beschimpft kannst du das so betrachten wie die Trotzphase bei einem Kleinkind: es ist zwar unangenehm, aber es geht vorbei. Du brauchst keine Angst zu haben, dass es immer so weiter geht oder schlimmer wird. Irgendwann wird die Entwicklung seines Gehirns abgeschlossen sein und er wird zu sich finden. Vertraue drauf, es geht allen Heranwachsenden so. Und doch sind sie dann als Erwachsene vernünftige und liebenswerte Menschen.

Wenn du einige Zeit lang an eurer Beziehung gebaut hast und merkst, dass er langsam wieder Vertrauen zu dir fasst, kannst du dich der Frage ?Umgang mit Computer- und Internetspielen? zuwenden. Wenn Menschen exzessiv in etwas fliehen, probieren sie damit zumeist einen Mangel zu stillen, den sie erleben. Computerspiele am Internet bieten den Jugendlichen folgendes:

Klare Regeln und Strukturen, die sie verstehen können

Abenteuer und Gefahren, die sie in Sicherheit bestehen können

Die Notwendigkeit, sich neue Fähigkeiten anzueignen

Selbstständige Entscheidungen, für die sie gerade stehen müssen und dürfen

Berücksichtigung der Gesamtsituation, um zum Ziel kommen zu können


Vorbilder, die etwas ausstrahlen, was sie selber noch nicht haben

Schaue diese Punkte an und überlege dir, welche davon deinem Sohn fehlen könnten. Was fehlt ihm deiner Meinung nach am meisten? Wie kannst du (oder noch besser: wie könnt ihr als Eltern) dem Sohn reale Erfahrungen in diesem Bereich anbieten? Arbeitet Schritt für Schritt an den Bedürfnissen eures Jugendlichen. Vergesst dabei nicht, dass er auch manchmal etwas wirklich Schweres erfolgreich hinter sich bringen können muss, um stark zu werden. Das fällt liebenden Eltern oft schwer. Lasst es ihn allein schaffen ? ihr könnt ihm (nur einmal!) sagen, dass ihr seinen Fähigkeiten vertraut, und wenn er punktuell Hilfe braucht, könne er sich gerne an euch wenden. Dann lasst ihn seinen Weg selber finden ? auch wenn ihr ganz genau wisst, wie es besser, schneller, billiger und erfolgreicher ginge!!! Es geht um ihn, nicht um euch! Lasst ihn Fehler machen und dafür Verantwortung übernehmen ? es ist nichts schlimmes, aus Fehlern zu lernen. (Auch hier geht Beziehung vor. Erniedrigungen und Demütigungen sind tabu!)

Eine Flucht (Sucht?) ist ein bisschen wie eine Krücke. Sie ist zwar vielleicht in manchen Situationen vorübergehend hilfreich, aber ohne sie lebt es sich besser. Dasselbe gilt für emotionale Krücken. Teenager ziehen fast immer die wirkliche Erfahrung vor. Sie müssen nur die Möglichkeit dazu bekommen!

Buchtipp:

Computersüchtig. Kinder im Sog der modernen Medien. Wolfgang Bergmann und Gerald Hüther