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3-Jährige eifersüchtig auf kleine Schwester

Frage:

Meine bald 3 Jährige Tochter ist, seit ihre Schwester (9 Monate alt) auf die Welt gekommen ist, eine richtige Jammertante geworden. Es ist lustig, sobald sie bei meiner Mutter ist kann sie wieder ganz normal sprechen. Kaum komm ich dazu fängt das Jammern wieder an. Sie kann nichts normal sagen.

Jetzt wo die Kleine langsam mobil wird, verschlechtert sich die Beziehung zu mir und der Schwester immer mehr. Ich beobachte mich selber und merke auch, dass ich im Moment nur am Schimpfen bin. Ich verliere auch ab und zu die Nerven und Schreie rum. Das tut mir dann immer leid und ich entschuldige mich. Im Moment haben wir jeden Tag mehrerer Auf und Ab's.

Es macht mich rasend, wenn die Grössere alle Spielsachen hortet, nicht teilt, wenn sie grob ist, und die Kleine anschreit oder haut. Jeden Tag nehme ich mir vor geduldiger zu sein, mir mehr Zeit für die Kinder zu nehmen und trotzdem kommt es immer wieder zu Konforntationen. Mir tut oft auch die Kleine leid. Da sie eher ruhig ist, vergisst man sie schnell und spielt viel zu wenig mit ihr. Im Moment habe ich das Gefühl zwischen den beiden Mädchen den Spagat zu machen.

Ich weiss, dass wenn ich mein Verhalten ändere, dass es wahrscheinlich besser wird. Ich weiss aber nicht wie. Habt ihr mir einen guten Tipp. Kennt ihr ein gutes Buch zu diesem Thema?

Antwort:

Es ist immer schön, wenn man wunderbares neues Leben in die Familie aufnehmen darf. Dieses rund 50 cm lange und rund vier Kilo schwere Menschlein übernimmt fast schlagartig das Sagen. Es bestimmt, wann man schlafen und essen kann, ob man wo hin fährt oder doch lieber daheim bleibt, ob eine Arbeit abgeschlossen werden kann oder man sie x-mal unterbrechen muss etc. Für alle unsere Mühen belohnen sie uns mit vollkommener Arglosigkeit, drolligen Grimassen und himmlischem Lächeln. Kein Wunder, dass wir uns diesen hilflosen, kleinen und süssen Wesen so gerne zuwenden! Unsere Herzen öffnen sich vor Freude, wenn wir sie nur anschauen!

Tja, und dann sind da noch die Geschwister. Wenn es nur ein Geschwisterchen ist, dann verliert es gleich doppelt: Es ist nicht mehr ein Einzelkind und es ist auch nicht mehr das Jüngste. Eifersucht ist in dieser Situation eine normale Reaktion. Allerdings gibt es vermeidbare Eifersucht. Schon während der Schwangerschaft darauf vorbereitet zu werden, bald „die grosse Schwester/Bruder“ sein zu dürfen, ist ein erster Schritt zu deren Vermeidung. Aber auch wenn die „Konkurrentin“ einmal da ist, kann man viel tun, um dem älteren Geschwisterchen zu helfen, sich wohl, sicher und wertvoll zu fühlen.

Die allerwichtigste Frage, die Kinder (vor allem unter sechs) haben, lautet: „Mami, liebst du mich?“. Da sie diese Frage aber nicht einfach so mit Worten stellen können, fragen sie durch ihr Verhalten – und da gute Verhalten kaum je beachtet wird, stellen sie diese Frage meist durch negativ auffallendes Verhalten. Deine Tochter sendet mit ihrem Jammern einen Notruf an dich. „Mami, liebst du auch mich noch und nicht nur meine kleine Schwester? Kann auch ich dich manchmal noch ganz für mich haben?“. Auch wenn dir das Verhalten deiner Tochter auf die Nerven geht und du dir wünschst, dass sie reif und hilfsbereit wäre – du bist die Erwachsene und sie ist das kleine Kind. Erwarte von deiner Dreijährigen nicht, nicht zu schreien, zu jammern und auf sich selbst bezogen zu sein, wenn du als Erwachsene selbst noch damit kämpfst, sie nicht anzuschreien. Arbeitet beide zusammen daran, immer besser mit euren Gefühlen von Überforderung, Verletztheit, Eifersucht etc. umgehen zu lernen (siehe auch Buchtipps unten).

Ganz konkret:

Lasse deine ältere Tochter ihre eigenen Spielsachen horten, so viel sie will. Probiere auch nicht, sie durch Manipulation zum Teilen zu bewegen (wie z.B.: „Deine Schwester ist noch ein grosses Baby. Wir müssen ihr ihre Spielsachen lassen, weil sie leider noch nicht einmal teilen kann“). Kinder können kein Gefühl für Besitz und Achtung vor dem Besitz anderer entwickeln, wenn ihnen nicht das Recht zugestanden wird, über ihren eigenen Besitz zu verfügen. Wenn du möchtest, dass sie teilen lernt, dann besorge „Familienspielsachen“, die allen gehören. Es hilft auch, wenn du nicht von „teilen“ redest, sondern mehr vom „einander beim Spielen damit abwechseln“.

Grob sein darf nicht einfach geduldet werden. Da ein dreijähriges Kind noch nicht sehr gesprächsorientiert ist, hilft es mehr, wenn du etwas tust, anstatt nur zu sprechen. Sage ihr „Wir schlagen nicht“ und nimm sie an der Hand mit dir, bis sie sich wieder beruhigt hat und bereit ist, wieder ordentlich und ruhig mit ihrer Schwester zu spielen.

Arbeite bewusst daran, die Beziehung zu deiner älteren Tochter zu verbessern. Achte vor allem darauf, dass du ihren „Liebestank“ füllst, indem du ihr täglich liebevollen Blickkontakt gibst, sie immer wieder mal (kurz oder auch länger) berührst und möglichst täglich (vielleicht als Teil der Gute-Nacht-Routine) etwas schöne Zeit nur mit ihr alleine verbringst. So beantwortest du ihre Frage „Liebst du mich (noch)?“ mit einem unüberhörbaren „Ja“.

Denke immer daran, dass deine Tochter nicht jammert, weil sie dir das Leben schwer machen will, sondern weil sie einen Bedarf in sich fühlt und nicht weiss, wie sie diesen decken kann. Diesen herauszufinden und zu stillen ist deine Aufgabe als Mutter. Sicher wird es nicht immer und hundertprozentig möglich sein, dies zu tun. Aber daran zu arbeiten und sich dessen bewusst zu sein, hilft schon sehr, in die richtige Richtung zu gehen!

Übe dich darin, klare Anweisungen zu geben, ohne autoritär zu sein. Sage z.B.: „Für heute gibt es kein Fernsehen mehr“, und nicht: „Wenn du nicht sofort den Fernseher ausschaltest, dann kannst du was erleben!“; oder: „Es ist Zeit, zu schlafen“, und nicht: „Wenn du nicht sofort ins Bett verschwindest und ruhig bist, werde ich dir zeigen, wer hier der Chef ist!“. In den meisten Familien beginnt es mit der ersten Version und steigert sich immer mehr bis zur letzten. Geduldig sein bedeutet nicht, immer wieder dasselbe ruhig zu wiederholen. Es bedeutet viel mehr, wenn das Kind nicht reagiert, ruhig aber bestimmt zu handeln. In den obigen Beispielen könnte man den Fernseher selber ausschalten bzw. das Kind ins Bett tragen. Wenn nötig kann es dort in einem Schlafsack, der an der Matratze festgemacht ist, festgehalten werden, so dass es nicht mehr raus kann. (Wichtig: Eltern kennen ihre Kinder und sollen deren Persönlichkeit berücksichtigen. Was für ein lebhaftes, robustes Kind akzeptable Klarheit ist, kann für ein sensibles Kind eine unakzeptable „Grausamkeit“ sein!)

Buchtipps:

Was glückliche Familien richtig machen - Claudia und David Arp

Bevor der Kragen platzt - Ross Campbell

Kinder sind wie ein Spiegel - Ross Campbell

Beyond Sibling Rivalry - Peter Goldenthal